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06. März 2010

Martin Halters Sprachkritik

DAS LETZTE WORT: Quod erat demonstrandum

  1. Foto: bz

Latein erweitert den Horizont, fördert die Sprachkompetenz, signalisiert weltläufige, nachhaltige Bildung, und so erlebt die totgesagte Sprache derzeit eine erstaunliche Wiedergeburt. Bücher wie "Latin Lover: Latein lieben lernen!", "Schimpfen und flirten auf Lateinisch" oder "Latein ist tot, es lebe Latein" verkaufen sich noch besser als Vectras und Astras. Die Zahl der Lateinschüler stieg in den letzten zehn Jahren um 30 Prozent. Papst Benedikt erlaubt wieder die lateinische Messe, der Kultursender 3sat erlaubt sich Ansagen wie "Salvate, domini dominaeque". Günter Jauch versichert glaubhaft, ohne solide Lateinkenntnisse könne man bei RTL nie Millionär werden.
Ein beiläufig eingestreutes lateinisches Zitat suggeriert Stil, Qualität und Seriosität.

Dafür braucht man nicht mal das kleine Latinum. David Beckham und Angelina Jolie tragen neuerdings küchenlateinische Tätowierungen wie "Quod me nutrit me destruit" (Was mich nährt, zerstört mich). Uli Hoeness giftete gegen den Bayern-Kritiker Günter Jauch "Si tacuisses philosophus mansisses" ( Du hättest besser geschwiegen, Freundchen). Nur in der Politik war die altphilologische Bildung zuletzt rückläufig. Carlo Schmid und Franz Josef Strauß sind tot, und mit Ludwig Stiegler (SPD) ging im Herbst der letzte Redner, der seine Gegner mit Latein zur Weißglut zu reizen verstand: Unvergesslich etwa die verbale ejaculatio praecox, die er einst Schröders Berater Bernd Rürup vorwarf. Die CSU, mit ihrem Latein ohnehin am Ende, hat Stiegler oft absichtsvoll missverstanden: Sein "Quamquam sunt sub acqua maledicare temptant" (Obwohl sie unter Wasser sind, reißen sie das Maul auf) war ja kein unmenschlicher Aufruf zum Ersäufen. In Guido Westerwelle scheint Stiegler jetzt einen Nachfolger zu finden.

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Schon vor seiner Dekadenzphase warf er gern mit altrömischen Begriffen wie casus belli um sich. Als sein Englisch ins Gerede kam, kündigte Westerwelle (der sein Großes Latinum nur der Gnade seiner Lateinlehrerin verdankt) keck an, er werde auf Altgriechisch gestellte Journalistenfragen "gern" lateinisch antworten. Jetzt hat er allen Ruf- und Königsmördern das bittere Plutarch-Zitat "Semper aliquid haeret" entgegen geschleudert. Etwas Klebriges bleibt immer hängen: Quod erat demonstrandum.

Autor: hal