Unterm Strich

Demo gegen die Autoflut treibt in Stuttgart die Feinstaub-Messwerte hoch

dpa

Von dpa

Mi, 23. November 2016

Kolumnen (Sonstige)

Prometheus und der Feinstaub / Von Stefan Hupka

Jede Zeit hat ihre Todsünden. Früher war man kein Ritter, wenn man kein Feuer dabei hatte für die Slim-Zigarette der Angebeteten. Heute ist vielen nicht nur das Rauchen peinlich, das Verbrennen als solches wird nicht mehr gern gesehen. Ein gemütlicher Abend am Kamin? Ich bitte Sie. Es sei denn, wir schauen uns das auf Youtube an; es gibt da 30-, 60- und 120-Minuten-Versionen fürs Passivhaus.

Die alten Griechen haben das Feuer noch vergöttert, und Prometheus, der es den Göttern klaute, war ihr Held. Er wurde zwar übel bestraft, aber der Nachruhm als Vater der Zivilisation war ihm sicher. Dicht gefolgt von Carl Benz, Gottlieb Daimler und Rudolf Diesel, den Vätern der automobilen Zivilisation, speziell des Verbrennungsmotors. Mit deren Nachruhm ist es aber inzwischen so eine Sache. Selbst in der Stadt, die den Dreien Wachstum und Wohlstand verdankt wie keine zweite der Republik, ist man nicht mehr nur zur Heldenverehrung bereit.

Jedenfalls trafen sich am Montag 200 Aktivisten Downtown Stuttgart. Sie zogen mit Trommeln, Atemschutzmasken und Transparenten zum Neckartor. "Autoflut stoppen" und "Fahrverbote retten Leben" stand darauf. Neckartor, zur Erinnerung, ist Deutschlands prominenteste Messstation – die mit den höchsten Feinstaubwerten. Dort blockierten die Demonstranten die achtspurige B 14 und erzeugten einen Zehnkilometerstau. Die Station spielte mit und wurde ihrem Ruf gerecht: Hatte man am Sonntag noch 36 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen, waren es am Montag 128, mehr als das Doppelte des Grenzwerts.

Das brachte die Kollegen von dpa am Dienstag in Nöte: "Ursache für die hohe Konzentration war wohl ein durch die Proteste am Montag verursachter Stau", meldeten sie noch am Morgen. "Begründung für Anstieg der Werte gestrichen", schoben sie mittags nach. Jemand hatte daran erinnert, was das wahre Problem war: nicht die Demo oder der Stau, sondern, tja, die heiße Erfindung der Herren Benz, Daimler – und vor allem Diesel.