Arneggers Wochenschau

Die Pythia zur OB-Wahl: Du bist unbesiegbar, mein Kind

Niklas Arnegger

Von Niklas Arnegger

Sa, 05. Mai 2018

Freiburg

Unser Bahnhof wird barrierefrei! Der Umbau könnte schon 2024 beginnen. Beendet werden soll er noch in der letzten Amtsperiode des übernächsten Oberbürgermeisters. Neugeborene des Jahrgangs 2018 dürfen hoffen, schon in 70 Jahren samt Rollator durch den Bahnhof düsen zu können. Früher geht’s nicht, auch wird die Barrierefreiheit ja auch erst seit wenigen Jahrzehnten gefordert. Verglichen mit den beinahe 200 Jahren, die der Freiburger Bahnhof existiert, sind ein paar Jahrzehnte nicht viel. Im 19. Jahrhundert ging es flotter: 1838 beschloss der Badische Landtag, eine Bahn von Mannheim nach Basel zu bauen – und Freiburgs Bahnhof wurde 1845 eingeweiht. Sieben Jahre für Beschluss, Planung und Bau einer 200 Kilometer langen Bahnstrecke – und letztere in solider Handarbeit! Mein lieber Scholli! Aber damals war halt auch die Bürgerbeteiligungskultur noch nicht so weit entwickelt wie heute.

Umso erstaunlicher, dass die Rolltreppe an Gleis 1 geradezu blitzartig repariert wurde: Die stand seit Mitte März still und läuft jetzt schon wieder. Nach nur sieben Wochen! Vorbildlich!

Aber wir haben heute ja ganz andere Sorgen. Jetzt wird entschieden: Wer wird OB? Und bleibt der SC in der ersten Liga? Alexander der Große hatte seinerzeit von der Pythia in Delphi einen Orakelspruch gefordert und zu hören bekommen: "Du bist unbesiegbar, mein Kind." Diese präzise Aussage nehmen wir mal für die Kandidatin und die Kandidaten der OB-Wahl wie auch für den Sportclub für voll. Immerhin steht beim SC ein Alexander im Tor, und dieser ist mit seinen 1,89 Metern sogar noch größer als der Makedone. Der war nämlich eher ein Zwuckel. Auf jeden Fall hat der Spruch der Pythia was zu bedeuten. Was, wissen wir auch nicht. Dass aber am Mittwoch vor der OB-Wahl Briefwahl nicht möglich war, weil der Rechner meuterte, das hätte es weder bei Alexander (nicht Schwolow, sondern dem mit 333, bei Issos Keilerei) noch bei der Badischen Bahnverwaltung gegeben. Denn die rechneten noch eigenhirnig und eigenhändig.

Eigenhändig wird auch der Verkehr in der Innenstadt geregelt, weil die Automatismen mal wieder nicht greifen. Klar, die vielen Baustellen erschweren die Sache, und ebenso die Autofahrer, die mit dem Umdrehen des Zündschlüssels ihren Restverstand durch den Auspuff blasen. Und jetzt kommt auch noch der Megasamstag! In der Stadt wird gebaut, um die Infrastruktur zu verbessern, und da sieht man, wozu das führt: ins Chaos. Denn alle müssen in die Schwarzwald-City. Da haben die ein Recht drauf. Das steht so in der Menschenrechtskonvention der UNO.

Überall Abstiegs-, Abwahl- und sonstige Sorgen, dazu Verkehrschaos, Lärm, Gestank, Baufortschritt nicht mal im Dampflokomotiventempo und überhaupt: Weltuntergang. Und dann dies: Auf dem Stühlinger Kirchplatz geht es zwar noch nicht so nett zu wie bei den himmlischen Heerscharen, aber die Lage hat sich doch sehr gebessert, wofür Anwohner, Polizei und Verwaltung zu loben sind. Wir tun es hier. Aber widerwillig, äußerst widerwillig.