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14. Juli 2012
An Alex vom "Marketing Department Team"
E-MAIL: Bitte keine Herzchen mehr
Hallo Alex,
ich sprechen Sie jetzt mal so familiär an, obwohl wir uns nie begegnet sind, nie miteinander gesprochen haben und dies auch künftig nicht tun werden. Aber Ihr Brieflein reizt mich zur Antwort. Und ich weiß von Ihnen halt nur Ihren Vornamen. Hallo Alex also!
Als ich den Umschlag öffnete, der da mit bunter Briefmarke, aber ohne Absender in der Post lag, dachte ich erst an eine alte Freundin: Schöne Handschrift und brüchiger Kugelschreiberstrich auf Karopapier – das sah doch sehr nach Ina aus! Erst recht die Herzchen und Blümchen am Rand. "Hallo Du!", fing das Schreiben an, "Jetzt muss ich mich doch mal wieder bei Dir melden! Du hast dich ja schon ewig nicht mehr..." Du ja auch nicht, dachte ich, faltete das Papier auf – und sah, dass es mitnichten von Ina kam, sondern von einen gewissen Alex aus dem "Marketing Department Team" eines Internetversandhandels, bei dem ich früher ein paar Mal T-Shirts und Turnschuhe gekauft habe.
Ein wenig genervt, weil ich so blöd war, die gedruckten Zeilen tatsächlich für handgeschrieben zu halten, aber zunehmend amüsiert las ich weiter: "Deine Pakete waren damals immer so prall gefüllt und jetzt sehnt sich der ,in den Warenkorb’-Button nach einer Berührung von Dir." Und so fort, eine ganze Seite lang: "Ich vermisse dich!!!" und "War ich etwa nur ein schneller One-Shop-Stand für Dich?" "Komm doch zurück und lass uns wieder wie in alten Zeiten richtig gemeinsam shoppen. Hoffentlich bis bald! Dein Alex"
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Wie herzig, Herr Alex! Sie lassen nichts unversucht, untreue Kunden zum Einkauf zu nötigen. Vielleicht gelingt das auch, aber wenn, dann allein dem beigelegten 20-Euro-"Comeback-Gutschein". Wissen Sie nicht, dass Internetshopping durchaus mit Lust zu tun haben kann, aber niemals mit Beziehung? Der Lustgewinn besteht für den Käufer nämlich allein darin, die Ware schneller oder billiger zu kriegen oder beides. Eine persönliche Beziehung baut man vielleicht zum Biobauern auf oder zum Friseur, aber doch nicht zu duzenden Marketing-Alexen. Sorry, falls ich jetzt Ihre Gefühle verletze, aber ich bitte Sie: künftig keine Briefe und Herzchen mehr an
Autor: Gabriele Schoder



