Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

08. August 2017

Unterm Strich

Ein bizarrer Flaggenstreit wühlt Griechenland auf

Losglück statt Leistung / Von Gerd Höhler

Die Griechen sind ein kleines, aber stolzes Volk. Gleich zwei Nationalfeiertage gibt es in Griechenland: Am 25. März gedenkt man der Revolution gegen die osmanischen Besatzer, am 28. Oktober erinnert sich die Nation an die Weigerung Griechenlands, vor Mussolini zu kapitulieren. Die beiden Gedenktage werden nicht nur mit Militärparaden begangen. Auch Schulklassen marschieren im ganzen Land, die Fahne vorneweg.

Bisher durften die Schüler mit den besten Zeugnisnoten die Flagge tragen. Jetzt hat Erziehungsminister Kostas Gavroglou per Erlass verfügt: Wer die Fahne trägt, entscheidet künftig das Los. Darüber ist nun ein heftiger politischer Streit ausgebrochen. Die Oppositionsparteien protestieren. Die erziehungspolitische Sprecherin der konservativen Nea Dimokratia kritisiert, der Erlass sei ein völlig falsches Signal: "Die Botschaft an die Schüler ist, dass man sich im Leben nicht mehr anstrengen muss, sondern nur Glück braucht." Die linksliberale Oppositionspartei Potami attestiert der Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras eine "ideologische Allergie gegen jede Form von Leistung". Erziehungsminister Gavroglu verteidigt die neue Regelung mit der salbungsvollen Erklärung, "jeder Schüler sollte die Chance haben, der Flagge die Ehre zu erweisen und durch die Flagge geehrt zu werden".

Werbung


Die Flagge wird nicht zum ersten Mal zum Politikum. Anfang der 90er Jahre kamen hunderttausende Albaner als Migranten nach Griechenland. Schon bald fielen albanische Kinder durch Fleiß und gute Noten auf. Als im Jahr 2000 im nordgriechischen Nea Michaniona der Albaner Odysseas Cenai als Klassenprimus die Fahne tragen sollte, kam es zum Eklat. Die griechische Fahne in den Händen eines ausländischen Schülers – das ging vielen griechischen Eltern zu weit. Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt. Vergangenes Jahr wurde die Flagge bei Paraden in Athen unter anderem von einer Schülerin afrikanischer Herkunft und einer Muslimin mit Kopftuch getragen.

Autor: geh