Unterm Strich

Fahrer versenkt Bentley im Zugersee

Niklas Arnegger

Von Niklas Arnegger

Fr, 24. November 2017

Kolumnen (Sonstige)

Die Katastrophenbucht beim Zugersee trägt ihren Namen zu Recht. Der Fahrer eines Bentleys versenkte den Luxusschlitten im Gewässer - und verschwand.

Mancher wird durch Schaden klug. Bei den meisten Menschen aber stiftet auch der größte Schaden keinen Nutzen. Eher wartet auf sie eine Portion Spott. So dürfte es auch den beiden Deutschen ergehen, die in der Nacht zum Donnerstag im Zuger See baden gingen. (Facebook, ik hör dir trapsen!)

Zuvor hatte der Fahrer eines Bentley sein Auto schnurstracks (volle Pulle? Navi? Liebesrausch?) in den See gelenkt. Die beiden Männer konnten sich unverletzt retten. Das Auto, dessen triefende Überreste per Kran geborgen wurden, war perdu: Totalschaden. Die Männer flüchteten, wurden aber von der Polizei gefasst. Beim Lenker wurde, wie die Schweizer Presse gewohnt knorrig schreibt, "ein Bussendepositum erhoben".

Der Clou nun ist, dass dies in der Katastrophenbucht geschah, was bedeutet, dass nomen eben doch zumindest hin und wieder omen ist. (Die Katastrophenbucht übrigens heißt seit dem 5. April 1887 so, weil damals in einer Vorstadt von Zug ein großes Stück Ufer abbrach und 35 Häuser einstürzen ließ. Elf Menschen starben, 650 wurden obdachlos.)

Der Philosoph Jean-Jacques Rousseau hatte höchstwahrscheinlich und schwer seherisch exakt diesen Unfall im Sinn, als er sagte: "Glücklich, wer sich am Rande des Abgrundes erkennt und den Sturz vermeidet! Soll man aber mitten im schnellen Lauf darauf hoffen, dass man innehalten kann?" Ach, das Prinzip Hoffnung gilt immer, hilft aber nicht immer weiter. Denn dass es schwer ist, mitten im schnellen Lauf eines Luxusautos das Bremspedal zu finden, das hat Rousseau schon richtig gesehen.

Ebenso hat ewige Gültigkeit das Zitat des Fußballers Jürgen Wegmann: "Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu." Als Glück für den Fahrer aber könnte sich erweisen, dass es im reichen Zug selbstverständlich einen offiziellen Bentley-Händler gibt, der "viele neue und gebrauchte Fahrzeuge" anbietet – jedes von ihnen für Luxustrips in die Katastrophenbucht geeignet.