FRAGEN SIE NUR!: Lange Knochen, spitze Eier

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Sa, 31. März 2018

Fragen Sie nur

Warum haben Vogeleier eine runde und eine spitze Seite?

Ideal aufgehoben wären Vogelembryonen in einem kugelförmigen Ei – von den Gesichtspunkten des Gasaustausches und der Entwicklung her betrachtet. Stattdessen sind Eier oval, sie haben eine runde und eine spitze Seite. Weshalb das so ist, dazu gibt es mehrere Theorien. Die bis zum vergangenen Jahr verbreitetste folgte einem pragmatischen Ansatz: Runde Eier rollen leichter weg. "Je stärker ein Ei nach oben konisch zuläuft, umso mehr dreht es sich im Kreis", sagt Gernot Segelbacher, Biologe an der Universität Freiburg. "Das ist vor allem für felsbrütende Arten wichtig, so fällt das Ei nämlich nicht runter." Euleneier dagegen sind fast rund, sie sind auch sicher im Nest aufgehoben. 2017 wurde eine neue Studie veröffentlicht. Ornithologen haben 50 000 Eier vermessen und ein biomechanisches Modell entwickelt. Ihre Hypothese: Die Form des Eis hängt mit dem Flug zusammen. Vogelarten, die weite Strecken zurücklegen müssen, haben spitzere Eier als solche, die nicht weit fliegen müssen. "Das könnte mit der Embryogenese zusammenhängen", sagt Segelbacher. "Ein junger Mauersegler beispielsweise muss schnell optimal flugfähig sein. Beim Embryo entwickeln sich also schon lange Flügel und Flugknochen, auch die Form des Brustbeins ist speziell. Passiert das alles schon im Ei und nicht erst nach dem Schlüpfen, ist das ein Vorteil für die Art." Und lange Flugknochen haben in einem länglichen Ei mehr Platz als in einem runden.

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