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16. Juni 2012

Die erste Frau im All

GEISTESBLITZE: Unsre Büglerin da oben

Der Weg einer Heldin ist umso glanzvoller, je tiefer sie zuvor gefallen ist. So lehrt es uns Hollywood. Doch im echten Leben, in der Wissenschaft zudem, neigt man zu dem Glauben, dass die späteren Nobelpreisträger und Entdecker schon immer auf der Sonnenseite des Lebens geforscht haben. Nicht so Walentina Tereschkowa, die es als Büglerin in die Erdumlaufbahn schaffte. Als Jugendliche ist sie Arbeiterin in einer Fabrik für Autoreifen. Dann wechselt sie in ein Spinnereikombinat, in dem sie sieben Jahre als Zuschneiderin und Büglerin arbeitet. Neben der Arbeit bildet sie sich in der Abendschule weiter. 1960 macht sie ihr Technikerdiplom, auch da ist der Weltraum in ihrer Vorstellung noch Lichtjahre entfernt. Doch die begeisterte Fallschirmspringerin und große Bewunderin Juri Gagarins, des ersten Manns im All, bewirbt sich weiter für die Kosmonautenschule. 1962 kann sie die Aufnahmeprüfung machen, ein Jahr später, heute vor 49 Jahren, startet sie als ausgebildete Kosmonautin ins All. Für das sowjetische Regime ist der Abflug einer Fabrikarbeiterin, Büglerin und Technikerin vom Kosmodrom im kasachischen Baikonur ein Wirklichkeit gewordenes Propagandamärchen. Die Raumfahrtgeschichte stellt ihre Pionierleistung in eine merkwürdige Reihe: Nach einem Hund, einem Schimpansen und einem Mann flog Walentina Tereschkowa als erste Frau ins All. Das beschreibt sicher nicht das Erlebnis ihrer fast drei Tage dauernden Reise. 49-mal umkreist sie die Erde, erlebt Sonnenauf- und -untergänge. Im Funkverkehr bekommt die Büglerin im All einen prosaischen Namen: Sie rufen sie im Kontrollzentrum "Tschaika", russisch für Möwe.

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Autor: jjev