Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

07. August 2017

Unterm Strich

Horb am Neckar leidet derzeit unter sexuellen Erhitzungen

Liebe, Freier und High Heels / Von Wulf Rüskamp

Vielleicht liegt es am schwülwarmen Wetter oder an der hohen Wassertemperatur des Neckars – im beschaulichen Städtchen Horb geht es heiß her. Zumindest wenn man die Größe des Ortes betrachtet und den Umstand, dass er es bis dahin vor allem durch den damals jüngsten Oberbürgermeister Deutschlands, Michael Theurer, in die Schlagzeilen geschafft hat – vor mehr als 20 Jahren. Theurer ist heute ein gestandener Mann und Landesvorsitzender der FDP – die aktuellen Horber Erhitzungen lassen ihn gewiss kalt.

Da geht es zunächst um den Satz "Horb macht Liebe". Das ist zwar der Slogan nur für das "Mini-Rockfestival". Weil aber auf den Werbebannern neben Heteros sich auch schwule und lesbische Pärchen küssen, macht das dennoch Furore selbst in einer Zeit der Ehe für alle. Denn ein Gemeinderat fürchtete, das Plakat könne als "Aufforderung zum Rudel-Rammeln" verstanden werden, und zog den Vergleich mit einem "Swinger-Club". Das kam aus dem politisch rechten Lager, also feuerte das linke zurück: "Vulgäre Sprache", sagte eine Gemeinderätin und erklärte sogleich, "rechtskonservative und antiquierte Meinungen" hätten in Horb keinen Platz. Eine veritable Ausbürgerung.

Werbung


Der aktuelle Horber Oberbürgermeister Peter Rosenberger sieht’s entspannt: "Man kann sich an allem reiben", wird er zitiert. Zudem hat in der Vergangenheit das Festival nicht nur Musik geboten, sondern auch, wie aktuelle Bekenntnisse von Pärchen zeigen, neuen Beziehungen den Weg angebahnt – also "Liebe gemacht".

Und da macht Horbs Citymanagement weiter. Es hat ein Plakat aufhängen lassen, auf dem Frauenbeine in roten High Heels und engen Lederleggins zu sehen sind, die sonst nicht sichtbare Person lehnt an einer Säule. Dem Verständnis des Bildes hilft der Satz daneben: "Freier Parken". Gemeint ist freilich jenseits jeglicher sexuellen Doppeldeutigkeit nur, dass man zwei Stunden kostenlos parken darf. Genug Zeit vermutlich, um in Horbs aufgeheizter Atmosphäre nach der Frau mit den roten Schuhen zu suchen.

Autor: amp