Reden bei Abifeiern

URTEILSPLATZ: Abrüsten tut mitunter not

Manfred Dürbeck

Von Manfred Dürbeck

Di, 17. Juli 2018

Lahr

Alle Jahre wieder kommt nicht nur Weihnachten, sondern mit den Abschlussfeiern an den Schulen auch die Erinnerung ans eigene Abitur anno 1974 und die Abifeier in der Turnhalle des Gymnasiums. Die ist, um es diplomatisch zu umschreiben, ziemlich verblasst. Erinnerungen an die Rede des Schulleiters, der zu diesem Zeitpunkt das Amt schon 15 Jahre ausgeübt hatte? Da ist nichts mehr. Was hängen geblieben ist: Zwei Buchsbäume auf dem Podium links und rechts vom Rednerpult reichten wohl als Schmuck aus. Ob der Schulleiter uns damals auch schon die Last des Universums, den Fortbestand Europas, oder um es eine Nummer kleiner zu machen, das Weiterleben der Demokratie in Deutschland auf die Schultern gewuchtet hat, kann deshalb nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Ich denke aber eher nicht. Willy Brandts geflügeltes Wort "Mehr Demokratie wagen" hatten die Absolventen in unterschiedlichen Härtegraden bereits umgesetzt. Auf allzu salbungsvolle Worte wäre da wohl eher mit Erheiterung reagiert worden. Schön, dass auch heute nicht alle Schulleiter die große Pauke bedienen. Für die anderen gilt: Etwas verbale Abrüstung bei solchen Feiern wäre gar keine schlechte Idee.