Abstimmung über Sommerzeit

URTEILSPLATZ: Lösung liegt in der Mitte

Christian Kramberg

Von Christian Kramberg

Di, 14. August 2018

Lahr

Die Sommerzeit ist offensichtlich ein Thema, dass die Menschen bewegt. Jedes Jahr, wenn die Uhr vor und wieder zurückgedreht wird, flammen die Diskussionen über Sinn und Unsinn erneut auf, auch wieder nach dem Bericht der Badischen Zeitung in der Samstagsausgabe ("An der Uhr drehen oder nicht"/BZ vom 11. August). Die Gegner der Umstellung scheinen dabei in der großen Mehrzahl zu sein. An einer Umfrage auf der Lahrer BZ-Facebook-Seite im Juli hatten mehr als 500 User teilgenommen, das Ergebnis war deutlich: 80 Prozent waren gegen die Sommerzeit. Andere Umfragen weisen in dieselbe Richtung, bei der Europäischen Union läuft noch bis 16. August eine Umfrage. Die Argumente der Gegner sind durchaus gewichtig: Die Umstellung belastet Kinder, Erwachsene und auch Tiere; wissenschaftliche Studien haben das belegt, wobei natürlich nicht alle gleichermaßen davon betroffen sind. Auch der Anlass, die Sommerzeit vor 38 Jahren in Deutschland überhaupt einzuführen, gilt mittlerweile als widerlegt: Die erhoffte Energieeinsparung im Sommer wird durch zusätzlichen Energieverbrauch im Winter aufgefressen. Warum also an etwas festhalten, was offensichtlich schadet und nichts bringt? Weil es viele Menschen gibt, die die Freizeit schätzen, die sich durch längere – weil hellere Sommerabende – ergibt. Abends bei Helligkeit noch in einer Gartenwirtschaft zu sitzen, spät noch Sport im Freien treiben zu können – das ist auch Lebensqualität, die nicht zu gering zu schätzen ist. Die Lösung liegt vielleicht in der Mitte: Warum nicht das ganze Jahr über die Sommerzeit belassen? Die lästige Umstellung zweimal im Jahr fiele weg, die langen Sommerabende blieben. Aber auch diese Lösung hat ihre Schattenseiten – und da ist der Begriff Schattenseite durchaus treffend: Zum Jahreswechsel ginge die Sonne in Lahr erst um 9.19 Uhr auf. Alles kann man halt nicht haben.