Unterm Strich

Letzte Rettung: Popmusik

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Do, 07. Juni 2018

Kolumnen (Sonstige)

Warum 120 Beats pro Minute manchmal lebenswichtig sind / Von Manuel Fritsch.

Der Beat ist der Puls der Musik, ihr Herzschlag. Der Beat ist auch Taktgeber des Körpers. Wenn er ballert, dann zuckt es in den Gliedmaßen und der Kopf wippt mit Schlagzeug oder Bass. Andersrum wird auch ein Schuh daraus. Wenn der Beat des Körpers aufhört, ist die Musik aus dem Leben verschwunden. Ohne Musik, hat Friedrich Nietzsche mal irgendwo geschrieben, sei das Leben ein Irrtum. Doch es ist schlimmer: Ohne Musik ist es mit dem Leben nicht mehr weit her.

Wie also findet man wieder zurück in den Takt, wenn das körpereigene Metronom schlappgemacht hat? In Deutschland erleiden rund 50 000 Menschen pro Jahr einen plötzlichen Herzstillstand. Besonders kritisch sind die Minuten bis zum Eintreffen des Notarztes – ohne Wiederbelebung wird das Gehirn schon nach drei Minuten dauerhaft geschädigt, nach zehn Minuten hat man kaum noch Überlebenschancen. Die Zahl derer, die bei einem Herzstillstand helfen, liegt in Deutschland bei gerade mal 37 Prozent. Oft spielt die Angst eine Rolle, etwas falsch zu machen. Dabei ist eine Wiederbelebung gar nicht so kompliziert. Hauptsache, das Gehirn wird mit Sauerstoff versorgt. Dafür genügt in den ersten Minuten eine Herzdruckmassage mit 100 bis 120 Kontraktionen pro Minute.

Diesen Rhythmus, das haben Forscher aus Barcelona herausgefunden, kann man nahezu perfekt halten, wenn man bei der Massage mitsingt. "La Macarena" von dem spanischen Duo Los del Rio eigne sich besonders gut. Man darf so laut singen, wie man will – die dazugehörige Choreografie sollte aber zugunsten der Herzmassage unterbleiben. Amerikanische Ärzte empfehlen den Bee Gees Song "Stayin’ alive". Ah, ha, ha, ha, stayin’ alive, stayin’ alive. Pump, pump, drück, drück, stayin’ alive, stayin’ alive. Wie genau der Liedinhalt mit dem Behandlungserfolg zusammenhängt, ist bislang nicht erforscht. Bis das ganz sicher ist, sollte Queen beim Wiederbeleben nicht zum Einsatz kommen, sonst heißt es am Ende: "Another one bites the dust".