Online durch die Stadt

MARKTGEFLÜSTER: Digitale Lebenshilfe

Sabine Ehrentreich

Von Sabine Ehrentreich

Fr, 08. Juni 2018

Marktgeflüster

Bekannte grüßen, den Blick und das Gemüt schweifen lassen – die Zeiten, da Passanten sich derart unterbeschäftigt durch die Stadt bewegten, gehören mehr und mehr der Vergangenheit an. Schon jetzt klebt der Blick im Gehen nicht selten auf einem Display. Whatsapp bekommen? Anruf verpasst? Regen zu erwarten? Straße verfehlt? Da hilft das Handy weiter. Das virtuelle Modell Lörrach 3D freilich lässt alt aussehen, was bisher möglich war. Kann man schon jetzt nachsehen, wo ein Café ist und ob es geöffnet hat, lässt sich mit der dreidimensionalen Ansicht künftig auch prüfen, wann dort der Freisitz im Schatten liegt und wann in der Sonne – was übrigens irrelevant ist, wenn man die Kaffeepause online verbringt. Wo der nächste Spielplatz ist oder eine Hundekot-Entsorgungsstation, wo auf dem Heimweg das Elektroauto aufgeladen werden kann – das und mehr verrät das digitale Endgerät. Super. Doch ob am Baum schon Blätter hängen, die Buchhandlung umdekoriert hat oder der Kollege mal wieder an der Eisdiele steht, erfährt nur, wer offline durch die Straße geht. Und die Gefahr, gegen eine Laterne zu laufen, Mitpassanten umzurennen oder in Hundekot zu treten, weil jemand den Weg zum nächsten Robidog nicht recherchiert hat, ist dann auch nicht so groß.