Kriegerdenkmal

MARKTGEFLÜSTER: Nicht tilgen, aber erklären

Sabine Ehrentreich

Von Sabine Ehrentreich

Do, 14. Juni 2018

Marktgeflüster

Wie soll die Gesellschaft umgehen mit den Zeichen der Geschichte? Soll man sie aus dem öffentlichen Raum entfernen, wenn sie nicht mehr zeitgemäß erscheinen? Altstadtrat Peter Jensch hat in einem Brief an den Oberbürgermeister und den Gemeinderat vorgeschlagen, die Skulptur von Adolf Strübe vom Kriegerdenkmal auf dem Hauptfriedhof zu entfernen, weil sie mit ihrem heldischen Totenkult nicht mehr zu unserer Erinnerungskultur passe. 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs sei es Zeit dafür. Jensch schlägt vor, den Denkmal-Sockel mit der Aufschrift "Unseren Toten" und den Daten der beiden Weltkriege zu belassen und den Strübe-Aufsatz, geschaffen 1929, in die Sammlung des Dreiländermuseums zu übernehmen. Wohl wahr: Die Anmutung von Kriegerdenkmälern ist heute oft schwer erträglich. Aber soll man sie deshalb verschwinden lassen? Natürlich gibt es Beispiele, wo das richtig ist, vor allem wo es die Jahre und Repräsentanten der Nazi-Diktatur betrifft. Doch wollte man alle Zeichen tilgen, die nicht mehr in die Zeit passen, hätte man viel zu tun, und das mit jeder Generation neu. Orte wachsen über Jahrhunderte, das darf und sollte sich im öffentlichen Raum spiegeln. Entscheidend ist, dass die Menschen einzuordnen wissen, was sie sehen. Mitunter hilft da eine Erläuterung. Geschichte nicht tilgen, sondern erklären. Das wäre der richtige Weg.