Medizinwissen

Gehen Operationen bei Vollmond eher schlecht aus?

Michael Brendler

Von Michael Brendler

Mi, 22. November 2017 um 12:11 Uhr

Medizinmythen

Manche gehen bei Vollmond nicht zum Friseur. Hebammen sagen, Geburten nähmen in dieser Zeit zu. Manche glauben, Operationen gingen eher schief – was ist dran an den Mythen?

Mach bei Vollmond einen großen Bogen um das Krankenhaus, warnen abergläubische Menschen. Angeblich, so der Mythos, ginge den Chirurgen in solchen Nächten eher mal etwas daneben, Komplikationen bei Operationen seien häufiger. Selbst eine OP-Wunde heilt angeblich schlechter. Eine völlig unbegründete Sorge, wie der österreichische Chirurg Michael Schardtmüller belegen konnte. Bei der Überprüfung der Krankenakten von 228 Patienten, die eine Knie- oder Hüftprothese erhalten hatten, konnte er zeigen: Weder die Phase des Mondes noch seine Stellung im Tierkreis beeinflussen den Operationserfolg.

Der Hautarzt Josef Smolle legte noch einen drauf und stellte nach dem Studium von 14.000 Fällen von Frischoperierten fest: Egal, in welcher Mondphase operiert wird, die Wunde heilt im Schnitt immer gleich schnell. Selbst werdende Mütter bleiben vom Vollmond unbeeindruckt: Im Gegensatz zum Glauben mancher Hebamme ist in keiner Mondphase eine Zu- oder Abnahme der Geburtenzahlen nachweisbar. Das hat die Überprüfung der Daten von 560 000 Kindern aus dem US-Bundesstaat North Carolina ergeben. Das heißt nicht, dass Babys nicht ihre Vorlieben hätten: Laut Statistik kommen sie besonders gerne im Sommer und den frühen Morgenstunden zur Welt. Und noch ein weiterer Beitrag zur Entmythologisierung des Vollmondes: Auch den Haaren ist es vollkommen schnuppe, was der Erdtrabant so treibt. Sie wachsen in allen Mondphasen gleich schnell, egal wann geschnitten wird. Vom Mond sollte man den Friseurtermin also nicht abhängig machen.