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30. Januar 2012

MOMENT MAL!: Im Wandel der Zeiten

Von Peter Disch.

Was war das für ein Hallo: Der Junior, gerade zwei Jahre alt, sitzt im Auto. Seine Lieblingstante klettert zu ihm auf den Rücksitz. Der Kleine sieht sie – und die Sonne geht auf. Er setzt ein besonders strahlendes Zwei-Zahn-Lächeln auf und begrüßt sie – mit einem begeistert ausgerufenen "Arschloch!" Damals war das der Stoff, aus dem die Anekdoten sind. Zweieinhalb Jahre später steht der Kraftausdruck auf der familieninternen Liste der verbotenen Worte – dem mehr, eher minder erfolgreichen Versuch, die ungebrochene Begeisterung am verbalen Tabubruch einzudämmen. Der innerfamiliäre Krisenstab fürchtet schon, dass das nahtlos so weiter geht. Vielleicht wäre die Lösung dieses Problems eine lohnende Marktlücke für unterbeschäftigte Therapeuten. "Frühkindliche Verbal-Ferkeleien ganzheitlich kurieren" könnte ein Renner werden. Gefördert von den Krankenkassen. Vom Grundschullehrerverband mit dem Knigge-Preis in Gold geadelt – und in Buchform ein garantierter Lebenshilfe-Bestseller inklusive Eintrittskarte für sämtliche Talkshows von Markus Lanz bis zum Themenabend "Kindermund tut Frechheit kund" im Nachtcafé von Wieland Backes. Vielleicht geht es aber auch so. Denn eigentlich weiß der Kleine, was sich gehört. Kürzlich kitzelte ein Niesreiz seine Nase. Bevor er ihm nachgab, hielt er die Hand vor den Mund – allerdings nicht vor den eigenen, sondern vor den seines Gegenübers. Was zeigt: Auch Manieren unterliegen dem Wandel der Zeiten. Aus der Mode kommen sie aber nie.

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Autor: pd