Moment mal...

Spätes Katzenglück

Peter Disch

Von Peter Disch

Mo, 14. Januar 2019

Kolumnen (Sonstige)

Nicht immer verläuft die Beziehung zwischen Mensch und Haustier glücklich. Erst recht, wenn die bisherigen Erfahrungen eher traumatisch waren.

Die Wellensittiche der Kindheitstage flogen davon. Zurück blieb ein vom Fensterbrett gefallener Käfig und ein Häuflein Spelzen. In den Zivi-Jahren, Abteilung Mobiler Sozialer Hilfsdienst der Arbeiterwohlfahrt, schrieb eine alte Dame ein Kilo Schweineherzen auf den Einkaufszettel. Nicht für sie. Sondern für ihren Mops. Dem hatte ein Arzt ein Auge getrübt und so die Karriere als Hundeschauschönheitskönig versaut. Ein hartes Schicksal. Aber nichts verglichen mit der Aussicht, die Innereien vor dem Schnetzeln auswaschen zu müssen, wenn man kein Blut sehen kann. Das Aquarium in der ersten eigenen Wohnung verwaiste schneller als die Putzerfische die Algen von den Scheiben fressen konnten. Der letzte Wels beging Suizid und lag morgens dehydriert vor dem Kühlschrank. Das war in den Neunzigern. Über 20 Jahre später hat sich das Blatt gewendet. Die Adoption einer Katze erweist sich als spätes Glück. Schmutzt nicht. Löst keine Allergien aus. Unterhält die Familie mit possierlichen Faxen und der Hatz nach der Wollbällchen-Angel. Da ist sogar zu verschmerzen, dass mit ihr der hässlichste aller Haushaltsgegenstände einzog. Der Kratzbaum. Wo sind eigentlich die Designer, wenn sie sich einmal nützlich machen könnten?