Seltsamer Begriff

MOMENT MAL!: Unbedacht sterben

Manuela Müller

Von Manuela Müller

Mo, 16. Juli 2018

Liebe & Familie

Statistisch gesehen ist bei mir jetzt Halbzeit. Wenn ich Glück habe, liegen noch ein paar Jahrzehnte vor mir. Trotzdem hat mich eine Pressemitteilung der Stadt Freiburg kürzlich dazu gebracht, mir Gedanken übers Sterben zu machen. Es ging um "unbedacht Verstorbene".

Beim Lesen des Begriffs habe ich mich gefragt, wie viele Leute stattdessen mit Bedacht sterben. Haben sich die vor ihrem Tod besonders viele Gedanken ums Sterben gemacht? Haben sie sich fürs Sterben Zeit gelassen? Oder hatten sie währenddessen ein Dach über dem Kopf? Die Pressemitteilung klärt mich auf: Unbedacht Verstorbene sind diejenigen, die nach ihrem Tod nicht vermisst werden; die also keine Verwandten und Freunde haben oder hatten.

Eine traurige Sache! Diese Menschen haben vielleicht vor ihrem Tod darüber nachgedacht, dass sie niemandem fehlen werden und niemand am Grab um sie trauern wird. Statt unbedacht sind sie vermutlich eher einsam gestorben. Nichts, was man sich wünscht.

Auf der anderen Seite: Familie und Freunde leiden, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Wer sich also zu Lebzeiten abschottet, könnte den anderen den Seelenschmerz ersparen. Eine Alternative? Nicht für mich! Ich will keinesfalls auf Familie und Freunde verzichten. Da sterbe ich ganz egoistisch lieber bedacht – und hoffentlich erst dann, wenn statistisch die Zeit dafür gekommen ist.