Schnupfenzeit

MOMENT MAL: Von Memmen, äh Männern

Kathrin Blum

Von Kathrin Blum

Mo, 21. November 2016

Liebe & Familie

Hatschi! Dem Niesen des Gegenübers folgt ein langgezogenes Schnäuzen mit schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck. Der Kollege nickt mitfühlend. Die Kollegin grinst breit. Und erntet dafür bitterböse Blicke. "Jaja, der Männerschnupfen" spottet sie. "Ihr Frauen habt ja keine Ahnung", kontert er. Es ist immer wieder ein Phänomen: Gestandene Männer, die mit gedehnten Bändern noch Fußball spielen, sich trotz heftiger Magenschmerzen ins Büro schleppen, Aspirin nur einwerfen, wenn der Kopf fast platzt, und einen Arzt erst dann aufsuchen, wenn sie kaum noch aufrecht gehen können, knicken wegen eines SCHNUPFENS ein. Und können, ansonsten eher wortkarg, eine halbe Stunde lang über eine verstopfte Nase und tränende Augen monologisieren. Und finden, prinzipiell jede Art von Hilfe ablehnend, dass frau sie in diesem Fall hegen und pflegen muss. Und beschreiben, ganz entgegen der sonst gerne zur Schau gestellten Indianerkenntkeinschmerz-Mentalität, ihr Unwohlsein auf einer Skala von eins bis zehn mit 27. Wenn besagter Kollege gesund ist, tönt er gönnerhaft: "Ich kann es dir nachsehen, weil ich weiß, dass du es nicht verstehen kannst. Du hast noch nie so gelitten." Wenn er verschnupft ist, jammert er: "Frauen kriegen ja nur Kinder. Männer müssen Schnupfen aushalten." Wie gut, dass wir Mädels am Ende ein Baby haben – und ihr Kerle nur rote Nasen.