Zeit haben, oder nicht haben

MOMENT MAL: Wer hat an der Uhr gedreht?

Karlheinz Schiedel

Von Karlheinz Schiedel

Di, 22. Mai 2018

Liebe & Familie

Alles ist relativ. Sogar die Zeit. Jedenfalls seit Einstein und Hawkins. Um das zu begreifen, müssen wir nicht in die unendlichen Weiten des Weltalls düsen (Schwarze Löcher, Ereignishorizont!). Verwirrende Erfahrungen mit zeitlichen Abläufen lassen sich auch am heimischen Fernsehgerät machen. Zum Beispiel, wenn wir bei geöffnetem Fenster Fußball-WM gucken. Während bei uns Kroos und Özil noch ausbaldowern, wer den Elfer schießen darf, brandet in der Nachbarschaft schon lauter Jubel auf. Merke: Besitzer von Satellitenschüsseln sind ihrer Zeit voraus – und wir Verkabelten wegen des vorzeitigen Spannungsabfalls frustriert. Im Schlaf- und Badezimmer ist temporäre Entspannung hingegen willkommen. Meine Liebste hat es sich zur Gewohnheit gemacht, dort die Uhren ein paar Minuten vorzustellen. So habe sie beim Aufstehen und bei der Morgentoilette weniger Stress. Sie wüsste schließlich, dass es in Wirklichkeit gar nicht so spät ist. Blöd nur, wenn frau einen Gatten hat, der zur zwanghaften Pünktlichkeit neigt und bei der halbjährlichen Zeitumstellung überall die richtige Uhrzeit eingibt. Dann vergeht selbige plötzlich wie im Fluge. "Hast du wieder die Uhren verstellt?", die Frage klingt jetzt irgendwie vorwurfsvoll. Als meine Frau aus der Wohnungstür eilt, meldet sich daher relativ rasch das schlechte Gewissen: Hoffentlich kommt sie jetzt nicht zu spät zu ihrem Termin...