Schließanlage 4.0

MÜNSTERECK: Ausgesperrte Redaktion

Frank Thomas Uhrig

Von Frank Thomas Uhrig

Do, 17. Mai 2018

Freiburg

Früher, zu Zeiten der Schließanlage 1.0, war es relativ einfach: Wer wusste, wie eine Klinke funktionierte, konnte eine Tür problemlos öffnen, wer einen Schlüssel hatte, konnte zudem sich und andere ein- oder aussperren. Schloss und Schlüssel waren eine segensreiche Erfindung, die sich über die Jahrhunderte durchaus bewährt hatte, und falls mal etwas schief ging, gab es den Schlosser des Vertrauens und später Mister Minit. Doch die Klinke heißt nun Drücker und an jedem Eingang lauert eine Schließanlage 4.0, die denjenigen, der Ein- oder Auslass begehrt, mit einem magischen grünen Auge fixiert. Bei Auflage einer entsprechenden Karte drückt 4.0 ein Auge zu und entsperrt den Riegel. Das ist natürlich wesentlich einfacher, sicherer und komfortabler als kalter Stahl am Schlüsselbund – jedenfalls solange Strom fließt. Ist das für Sekundenbruchteile nicht der Fall, wie es bei Gewittern auch im Mai 2018 zuweilen vorkommen kann, entfaltet 4.0 ein Eigenleben, das ein schlagender Beweis ist für künstliche Intelligenz: Unwichtige Redaktionsmitglieder werden ausgesperrt, Zugang erhalten – hellsichtig – nur noch Praktikanten. Ein schöner Zug. Den Schlosser gibt es noch: Er heißt nun Support-Hotline, braucht mit runden 18 Stunden etwas länger als Mister Minit und repariert, ohne eine Feile in die Hand zu nehmen: "Ich habe einfach die Stammdaten nochmal downgeloadet." Na denn.