Niklas Arneggers Wochenschau

SALTO RÜCKWÄRTS: Vom Dünkel der Gockel

Niklas Arnegger

Von Niklas Arnegger

Sa, 14. Juli 2018

Freiburg

Wofür die Bundes-FDP programmatisch steht, das weiß man schon: für Christian Lindner – einerseits. Andererseits ist bei der FDP die Meinungsvielfalt schon zu vorlindnerschen Zeiten zu einer flammenden Blume mit zahlreichen Blütenblättern emporgeschossen dergestalt, dass deren Duft hin und wieder "den Kopf betäubt", wie Heine schrieb. (Allerdings meinte Heine damit nicht die FDP, sondern die Liebe. Aber egal.)

Vorbildlich betäubten Kopfes agieren im Freiburger Gemeinderat ganz im Sinne Heines anscheinend seit längerem die an sich hochverdienten Stadträte Nikolaus von Gayling und Patrick Evers. Jedenfalls, was ihr gegenseitiges Verhältnis angeht.

Aber ach! Zwei Gockel im Hühnerhof, das geht nicht gut. Schon in der Zimmerschen Chronik (um 1600) wurde die FDP verwarnt, die "alwegen hievor vermaint hat", sie "were an dem ort allein der han im korbe". Das war sie eben nicht, denn es fehlt im gemeinderätlichen Hühnerhof Freiburgs nicht an Gockeln, und manche von ihnen sind sogar – biologisch unmöglich, politisch aber durchaus nicht unüblich – weiblichen Geschlechts.

Und so kam es, dass sich von Gayling am Dienstag bei einer Abstimmung über die Quartiersarbeit sowohl der Stimme enthielt als auch irgendwie dafür stimmte. Selbstverständlich zwang dies Evers dazu, nach bestem Wissen und Gewissen dagegen zu krähen.

So kam es zu "drei unterschiedlichen Voten von zwei Stadträten bei einer Abstimmung", wie es ein Beobachter hocherstaunt formulierte. So isses halt, wenn zwei Hähne dreimal krähen. Haben diese damit auch die FDP dreimal verleugnet? Nein. Denn bei der FDP gehört sowas zur Folklore.

Im Krähen macht auch den Grünen keiner so leicht was vor. Denn auch der grüne Hahn auf seinem Mist spielt, wie das Sprichwort sagt, gern den großen Herrn. Nun, die Grünen hatten gefordert, städtische Ackerflächen von 2020 an überwiegend an landwirtschaftliche Biobetriebe zu verpachten. Zum Schutz von Insekten und der Natur insgesamt. (Unter anderem könnten dort Biohähnchen aufgezogen werden.) Aber weil dies so flott wie gewünscht nicht geht und die Bauern heftig mit den Flügeln flatterten und sich zum Hahnenkampf entschlossen zeigten, erstarb das vorlaute grüne Krähen zu einem betretenen Gurren und Krächzen. "Da haben wir nicht richtig nachgedacht", gackerte Maria Viethen denn auch zerknirscht. Woraus sich ein nicht nur kommunalpolitischer Lehrsatz ableitet: Vor dem Ernten kommt das Mähen; erst mal denken, dann krähen.

Die Stadt fahndet nach zweckentfremdetem Wohnraum. In viereinhalb Jahren wurden schon 75 Ferienappartements und leerstehende Wohnungen in dauerbewohnte zurückverwandelt. Wahnsinn, wie schwierig das ist! Immerhin tut sich was in der Konviktstraße 10, wo Ladenflächen anderthalb Jahre leer standen. Man konnte sich per Gedicht oder Aufsatz für sie bewerben.

"Den leeren Schlauch bläst der Wind auf, den leeren Kopf der Dünkel", sagte zu solchem Gockelgehabe der Immobilienexperte Matthias Claudius. Oder, wie der Volksmund weiß: Mit Dünkeln ist gut Makeln.