Unterm Strich

Santander wollte um Touristen werben - und erntete Spott

Barbara Schmidt

Von Barbara Schmidt

Mo, 29. Januar 2018

Kolumnen (Sonstige)

Maschinen können viel. Sie können Wäsche waschen, Geschirr spülen, Fahrkarten verkaufen, die Arbeit erleichtern oder gleich den ganzen Arbeiter ersetzen. Die Stadt Santander hätte trotzdem besser auf Menschen gesetzt.

Das beliebte Seebad am Golf von Biskaya, 173 000 Einwohner, Hauptstadt der Region Kantabrien, war einst Sommerresidenz des Königs Alfonso XIII. Aber das ist lange her, und im Ausland ist heute die Bank desselben Namens meist bekannter als die Stadt. Um mehr Gäste anzuziehen, hat das städtische Tourismusamt sein Internetportal turismo. santander.es kräftig aufpoliert. Das neue Portal biete ein frischeres und dynamischeres Bild der Stadt, schwärmten die Verantwortlichen spanischen Medienberichten zufolge, und die Seite sei jetzt sogar in sieben Sprachen verfügbar. "Wir hoffen, dass es Euch so gut gefällt wie uns", twitterten die Touristiker.

Nun ja, die Resonanz war riesig, allerdings anders als beabsichtigt. Denn was auf den ersten Blick schön aussah, erntete bald Spott und Kritik. Tatsächlich waren die sieben Sprachen auf der Seite fast nicht wiederzuerkennen. Da wurde deutschen Touristen zum Beispiel empfohlen: "Treffen Sie das Schloss und seine Umgebung." Englischsprachigen Gästen legte man den "historische Helm" ans Herz, obwohl "casco", das spanische Wort für Helm, in Verbindung mit "histórico" den Altstadtkern meint. Die Kaufhauskette El Corte Inglés wurde zu "The English Court". Und Bürgermeisterin Gema Igual hieß nun "Equal Gema" oder, en français, "l’egalité gemme". Über den Grund für das Kauderwelsch berichteten Journalisten in ganz Spanien: Die Stadt hatte die Texte für ihre neue Homepage einfach durch den kostenlosen Google-Translator gejagt, anstatt professionelle Übersetzer zu beauftragen. Billig und schnell sollten die Übersetzungen sein, die Qualität hinterfragte offenbar niemand. Inzwischen sind die dilettantischen Übersetzungen gelöscht. Wer jetzt auf der Seite surft, muss Spanisch können – oder selbst Mensch oder Maschine zu Hilfe nehmen.