Glosse

Bayern-SPD kapert CSU-Slogans – mit Freiburger Methoden

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Mi, 22. August 2018 um 20:29 Uhr

Deutschland

Die bayerische SPD sicherte sich die Internet-Domain "soeder-machts.de" und den dazugehörigen Facebook-Account. Dort lässt sich nun nachlesen, was Söder macht – aus SPD-Sicht.

Die SPD ist nicht zu beneiden. In Bayern schon gar nicht. Links und rechts sind immer alle Plätze schon belegt, auf dem Thron in der Mitte sitzt ein volksnaher Mann in Lederhosen, der partout nicht zur Seite rucken will, und rund um den Thron sind Fettnäpfchen verteilt, vor denen die Genossen sich hüten müssen. Um so mehr werden sie sich gefreut haben, als sich ihnen kürzlich die Möglichkeit bot, dem verhassten Dauerkonkurrenten ein Schnippchen zu schlagen. Und das kurz vor der Landtagswahl!

Auf seinen neuesten Wahlplakaten wollte sich der neue Herr der Christsozialen als Bewahrer und als Macher gleichzeitig in Szene setzen. "Söder macht’s!" ist der Slogan. Und was macht er? "Unsere bayerische Lebensart erhalten".

So weit das Plakat. Irgendwie muss das zu den Schelmen der SPD durchgesickert sein. Und die schlugen zu und sicherten sich die Internet-Domain "soeder-machts.de" und die dazugehörigen Facebook und Twitter-Accounts. Dort lässt sich nun nachlesen, was Söder macht – aus SPD-Sicht. Und was die SPD besser machen würde.

Während sich die bayerischen Genossen noch über ihren gelungenen Coup freuen, kommt aus dem Südwesten der Republik ein schrecklicher Verdacht. Ist das alles nur geklaut? Schließlich entlockt uns die Aktion nur ein müdes Lächeln.

Denn hier hat man noch den Coup der Freiburger Satire-Partei Die Partei vom Februar dieses Jahres vor Augen. Damals gaben die Satiriker bekannt, sich bereits ein Jahr zuvor sämtliche Domains zum 900. Jubiläum der Stadt gesichert zu haben. Anders als die bayerischen Genossen aber missbrauchten die Freiburger damals ihren Schelmenstreich nicht für schnöde Parteipolitik. Sie spendeten die Domains ganz uneigennützig an eine Initiative für ein alternatives Stadtjubiläum.

Sollte sich das bis nach Bayern herumsprechen, könnte sich der Wahlkampfgag der SPD am Ende doch als Fettnäpfchen erweisen. Doch keine Angst, Genossen, wir verraten nichts!