UNTERM STRICH: Das Hemd, der Affe und das Image

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Di, 13. November 2018

Kolumnen (Sonstige)

Trigema-Chef Grupp räumt Fehler ein – das kommt nicht alle Tage vor / Von Stefan Hupka.

Nach eigenem Anspruch ist er stets der Klügere, trotzdem gibt er nicht gern nach: Wolfgang Grupp. "Das war ein Riesenfehler", hat er den Kollegen von der "Augsburger Allgemeinen" verraten. Grupp? Das ist der schnittige Textilfabrikant von der Schwäbischen Alb, der abends vor der "Tagesschau" für Trigema-Polohemden wirbt. Sparringspartner ist dabei ein Schimpanse mit Kragenhemd, Schlips und roter Brille, der als eine Art Jo-Brauner-Nachrichtensprecher-Persiflage auf dem Studiotisch fläzt. Seit einigen Jahren ist der Schimpanse aber ein Fall von künstlicher Intelligenz, eine Computeranimation, kein echter Affe mehr. Die Fernsehspots mit dem richtigen Reklameschimpansen, dem Tier aus Fleisch und Blut namens Sina, die einen gewissen Kultstatus hatten, ließ Grupp 2014 nach zornigem Protest von Tierschützern nicht mehr ausstrahlen. "Ich ärgere mich heute noch darüber", sagt er. Stattdessen habe er sich überreden lassen, für 100 000 Euro einen Spot ohne Affe zu drehen, "der angeblich besser zum Zeitgeist passt".

Darin verbreitete eine samtweiche Therapeutenstimme zu Harfen- und Streicherklängen ökologisch und politisch Korrektes zu Produktion und Vertrieb. Nichts war mehr übrig von dem rauen Ton, mit dem Alphatier Grupp und Betatier Schimpanse um die Wette knarzten: "Hundert Prozent made in Germany".

Letzteres kann man von dem Spot übrigens nicht behaupten: Das Affentheater war eigentlich vom Autohersteller Toyota bestellt, dann aber verworfen und für Grupp neu synchronisiert worden. Persönlich, gestand Grupp, habe er das Tier nie zu Gesicht bekommen. Dennoch hätten die Leute immer gefragt: "Wo ist Ihr Affe?" Seit zwei Jahren nun hat der Grupp-Fanclub seinen Affen wieder, wenn auch einen aus der Retorte. "Jetzt können mich die Tierschützer nicht mehr ärgern, das freut mich", sagt Grupp. Ihn ärgert etwas anderes, aber das sagt er nicht: Wer bei einem Allerweltsprodukt so stark mit dem eigenen Image hausieren geht wie er, der macht sich verletzlich.