Mutprobe

Tierrechtler zeigen eine junge Frau in Lörrach an, die einen lebendigen Fisch aß

Kathrin Ganter

Von Kathrin Ganter

Mi, 27. Dezember 2017 um 19:28 Uhr

Lörrach

Beim Spiel "Wahrheit oder Pflicht" wird es ernst: Eine junge Frau entscheidet sich für Pflicht und muss ein lebendiges Fischlein essen. Das finden nicht alle lustig.

Es war ein ausgelassener Abend in der evangelikalen Youth Gemeinde der offenen Tür in Lörrach. Statt inniger Jesusanbetung und der Errettung ihrer Seelen vor der "ewigen Verdammnis im Feuersee" (schreibt die Gemeinde im Internet) widmeten sich die Jugendlichen einem weltlichen Vergnügen: Wahrheit oder Pflicht.

Weil ein Mädchen nicht verraten wollte, mit welchem Jungen sie ausgehen will, musste sie zur Mutprobe schreiten. Sie schluckte ein lebendiges Fischlein.

Ein Video davon – weiß der Teufel, wie das passieren konnte – wurde über den Instagram-Account der Youth Gemeinde mit aller Welt geteilt und rief eine Organisation auf den Plan, die es in Sachen Dogmatismus mit allen Religionen der Welt gleichzeitig aufnehmen kann: die Tierrechtler von Peta.

Sie schäumten und zeigten die junge Frau bei der Staatsanwaltschaft wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz an. "Für Peta steht fest, dass der Fisch beim Verschlucken und dem anschließenden Todeskampf unnötig langem Leiden und Stress ausgesetzt war." Zwischen dem unzerkauten Verschlucken und dem Eintritt des Todes habe er "länger anhaltend leiden" müssen. Im Video sei auch zu sehen, dass der Fisch in einem winzigen Glas ohne Möglichkeit zum Schwimmen eingesperrt war.

Ein dicker Fisch kann es also nicht gewesen sein, aber darauf kommt es nicht an. Auch Guppys hätten eine Persönlichkeit, lassen die Fischflüsterer wissen. In manchen Intelligenztesten hätten Fische besser abgeschnitten als Schimpansen, sie schlössen auch Freundschaften mit Artgenossen und Menschen. Vermutlich wird der Wels bald den Hund als besten Freund des Menschen ablösen.

Statt ihn zu schlucken, hätte die Frau den Fisch zurück in seine Heimat bringen sollen, so Peta – und meint damit nicht die Zoofachhandlung in Weil am Rhein.

Für die Youth Gemeinde muss sich jedoch die Frage stellen: Was hätte Jesus getan? Er hätte den Fisch wohl vermehrt und die Fische brüderlich geteilt. Wahrscheinlich hätte er sie vorher gebraten.