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25. Juni 2012

TORHEITEN: Gebrochenes Kinderherz

Warum Joachim Löw auch bei der EM eigentlich nicht auf Ballack verzichten kann.

Lieber Jogi, geschätzter Joachim, sehr geehrter Herr Löw. Mit Bedauern muss ich feststellen, dass Sie, ehemals Du, auf das Schreiben meines Anwalts nicht reagiert haben. Daher sehe ich mich leider gezwungen, die Angelegenheit öffentlich zu machen und Sie auf Schadensersatz in Millionenhöhe zu verklagen: wegen eines gebrochenen Kinderherzens.

Es scheint mir geboten, Ihnen das schwerwiegende Vergehen, dessen Sie meinerseits bezichtigt werden, noch einmal ins Gedächtnis zu rufen. Einige Monate vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 unterstützte ich den Deutschen Fußball-Bund (DFB), dessen sportlicher Vordenker Sie sind, mit dem Kauf eines Nationalmannschaftstrikots in Kindergröße, 152. Stolze 80 Euro wanderten über den Ladentisch, obwohl ich bezweifle, dass das Trikot diese Summe wert gewesen ist. Als Familienvater kaufte ich das gute Stück in Nachthemdgröße für meinen Sohn. In solch exklusive Stücke, so dachten sich meine Person und mein Geldbeutel in ökonomischer Übereinstimmung, muss man erst noch reinwachsen.

Für die Beflockung mit dem Namen Ballack durfte ich für jeden Buchstaben dann nochmals drei Euro pro Buchstabe bezahlen. Womit der Umstand erklärt wäre, dass wir uns den Schweinsteiger nicht mehr leisten konnten/wollten. Das erworbene Hemdchen wurde jedenfalls zu festlichen Anlässen getragen, und nie wurde es mit dem Grün irgendeines Rasens befleckt. Es wurde geliebt und deshalb – entgegen des Hersteller-Hinweises – auch gebügelt. Davon zeugt ein kleines Brandloch im Bauchnabelbereich, als Mama unmissverständlich zum Mittagessen aufforderte und "Pommes" rief.

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Dann kam aber die Verletzung von Michael Ballack, die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 fand ohne ihn statt. Und Sie, Herr Löw, legten auch danach keinen Wert mehr auf Ballacks Dabeisein im Nationalteam. Das ist natürlich nicht spurlos am Filius vorübergegangen. Die Schulnoten sind seither so unbeständig wie die Leistungen englischer Torhüter, die ballacksche Trotzigkeit ist ein Wesenszug des Jungen geworden und Ihren Namen, Herr Löw, erwähnt er höchstens – und dann mit tiefer Verachtung – beim täglichen Eincremen der Haut mit dem Produkt, für das Sie Werbung machen. Was aber noch viel schlimmer ist: Der Junge will dennoch nicht von dem überteuerten Trikot lassen. Er trägt es hin und wieder – und kommt dann unter Krokodilstränen nach Hause, weil er mit dem Ballack-Hemdchen ein echter Außenseiter geworden ist.

Angesichts dieser erdrückenden Beweislast, Herr Löw, werden Sie sicher verstehen, dass meine Schadensersatzklage berechtigt ist: Denn ein gebrochenes Kinderherz, da werden Sie mir gewiss zustimmen, ist eigentlich unbezahlbar.

Autor: Georg Gulde


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