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01. August 2012
Unterm Strich
Total vergeigte Zugfahrt
Ein Schweizer Musiker vergisst seine Stradivari in der S-Bahn / Von Franz Schmider.
Man kann im Zug schon einmal einen Regenschirm liegen lassen, einen Schal oder ein Buch. Aber eine von geschätzt 650 Geigen aus der Werkstatt des großen Antonio Giacomo Stradivarius, die es auf der Welt noch gibt? Ein Instrument, das nach Angaben der Fachleute zwischen 1,5 und fünf Millionen Euro wert ist? Immerhin elf Millionen Euro erzielte eine Violine des Geigenbauers aus Cremona aus dem Jahr 1721 bei einer Auktion im vergangenen Jahr. Also bitte: Wenn man so ein Ding hat, da passt man doch auf!
Alexander Dubach würde dem natürlich zustimmen. Er hatte eine solche Violine bei sich, als er am Freitag in Biel die S-Bahn in Richtung Thun bestieg. In Bern stieg er aus, der Zug fuhr wieder an – und im selben Moment wurde dem Schweizer Paganini-Interpreten klar, dass er kein Köfferchen in Händen hielt. "Das war der größte Schreck meines Lebens", gestand Dubach gegenüber Schweizer Medien. Man kann es ihm nachfühlen.
Zumal das Instrument nicht ihm gehört. Er hatte es sich ausgeliehen, wollte ein Geburtstagsständchen für den Besitzer einstudieren. Längst ist eine Stradivari mehr als ein Musikinstrument. Wer mit griechischen Staatsanleihen oder US-Schrottimmobilien zuletzt viel Geld vergeigt hat, der legt Teile seines Vermögens schon einmal in einem Streichinstrument an. Man muss es ja nicht spielen.
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Dubach informierte die Bahn, doch die Suche des Zugführers blieb ohne Erfolg. Blieb nur die Polizei, die eine Fahndung startete. Schließlich gibt es eine Überwachungskamera: Die Bilder zeigen einen jungen Mann, der das Köfferchen nimmt und den Zug verlässt. Die Suche konnte aber abgeblasen werden, ehe sie richtig angelaufen war. Denn der Mann meldete sich beim Fundbüro. Er hatte keine Ahnung, was er da unterm Arm trug. Er habe den Kasten zur Sicherheit mitgenommen, weil auch ein paar Betrunkene im Zug waren. Dubach sagte, er werde sich – gemeinsam mit dem Besitzer – angemessen erkenntlich zeigen. Das klingt nach mehr als einer Freikarte fürs nächste Konzert.
Autor: fs



