UNTERM STRICH: Augen auf beim Baumabwurf

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Von fwo

Di, 09. Januar 2018

Kolumnen (Sonstige)

Manchmal ist es gar nicht so einfach, seinen Christbaum loszuwerden / Von Frauke Wolter.

Kugeln, Kerzen, Goldlametta – vor ein paar Wochen noch konnte er nicht strahlend genug sein. Und jetzt? Muss er raus, der Weihnachtsbaum. Am besten gleich, Schluss und aus, Dreikönig ist auch schon vorbei. Blöd nur, dass die Tanne schon kräftig nadelt, weshalb ein Gang durch das Treppenhaus so gar nicht in Frage kommt. (Wer will schon zum Jahresbeginn Stufe um Stufe auf den Knien rutschend Jagd nach fiesen kleinen Nadeln machen?) Die Lösung: der Wurf vom Balkon. Der Sturzflug aus dem Fenster ist hierzulande längst gang und gäbe, Kollegen von der BZ haben von ihrem fliegenden Weihnachtsbaum sogar ein Video gedreht (http://mehr.bz/baumende Besonders beliebt ist die Methode in Schweden – falls man der Ikea-Werbung glaubt.

Aber halt! So einfach ist das nicht. (Auch nicht in Schweden, wo man sich übrigens erst am 20. Tag nach Weihnachten, am sogenannten Knut-Tag, der Bäume entledigt.) Wurfbäume sind nicht ohne Risiko, zitiert der Fernsehsender n-tv jetzt das Rechtsportal anwaltauskunft.de. Wird ein Passant oder ein Auto getroffen, hafte demnach der Baumbesitzer. Und dem kann man dann Sachbeschädigung oder fahrlässige beziehungsweise vorsätzliche gefährliche Körperverletzung vorwerfen. Wissen sollte man: Bei letzterer liegt die Freiheitsstrafe bei sechs Monaten bis zu zehn Jahren. (So ähnlich sehen das auch die Schweden.) Herrje, man will doch nur einen Baum loswerden …

Doch nicht nur der Wurf hat so seine Tücken, auch der Zeitpunkt will sorgfältig gewählt werden. Unsere Straße zum Beispiel ist jedes Jahr eine der letzten, in der die Stadtreinigung die Weihnachtsbäume einsammelt. Will sagen, von nun an liegen gefühlt wochenlang traurige, graue Tannen und Fichten auf den Gehwegen. Na, das passt ja dann zum Januar-Blues.

Aber es gibt auch Positives: Christbäume lassen sich als Spielzeug für Zootiere recyceln. Für Elefanten, so ein Sprecher des Stuttgarter Zoos, sei das zwar kein Leckerbissen, "sie fressen es aber doch". Aber vorher die Kugeln abmachen, gell?