UNTERM STRICH: Ausharren!

bho

Von bho

Sa, 10. Februar 2018

Kolumnen (Sonstige)

Warum manche Menschen immer weiter machen / Von Bernhard Honnigfort.

Es passieren merkwürdige Dinge in der Nordseestadt Cuxhaven. Sie erinnern an das Schicksal des japanischen Nachrichtenoffiziers Onoda, der 1945 auf der philippinischen Insel Lubang stationiert war, als US-Truppen das Eiland eroberten. Die meisten japanischen Soldaten wurden umgebracht oder gefangen genommen, aber Onoda flüchtete und versteckte sich im Dschungel. Als es Flugblätter regnete, um übrig gebliebene Japaner über das Ende des Krieges zu informieren, glaubte er dem nicht. Er machte weiter. Ein Holdout, wie die Amerikaner sagen, ein Ausharrer. Erst 1974 kapitulierte er.

In Cuxhaven sind es einheimische Busfahrer, die für Erstaunen sorgen. Sie fahren fünfmal täglich mit dem Bus der Linie 1004 vom Bahnhof raus zum Fähranleger an der Elbe – ohne Passagiere, weil die Fähre seit November nicht mehr nach Brunsbüttel übersetzt. Das Fährunternehmen hat den Betrieb eingestellt, die Busfirma nicht. Dort meint man: Vertrag ist Vertrag, und der wird erfüllt. In Cuxhaven spricht man von Geisterbussen.

Wat mutt, dat mutt, sagt der Norddeutsche und wundert sich auf Sparflamme. Zu viel Aufregung ist nicht gut fürs Herz. Fragen nach Sinnhaftigkeit von Tun erübrigen sich sowieso, siehe nicht nur Berlin, Merkel, Seehofer und andere Holdouts.

Im Norden gibt es ja auch noch den Ort Tribsees an der A20 in Mecklenburg-Vorpommern, wo sich ein Loch auftut, das von 20 Metern Durchmesser auf 95 Meter anschwoll, Ende offen. Das Unbegreifliche ist nicht das Loch, sondern die Autobahn dort. Jeder Norddeutsche weiß: Eine Autobahn über Torf legen ist, als hätte man ein Kartenhaus in einer Hüpfburg gebaut und gleich kommen die Kinder.

So gesehen ist das Verhalten Onodas oder das der Cuxhavener Busfirma kein bisschen seltsam. Onoda gründete 1984 in Japan eine Schule, um etwas gegen den Werteverfall zu tun. Wer weiß, was Cuxhavens Busfahrer tun oder die Autobahnplaner von Tribsees, wenn sie auf der A20 an einer Kante stehen und auf Deutschlands drittgrößten Binnensee blicken.