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31. Juli 2012

UNTERM STRICH: Blau mit Sternen

Die Dänen drücken mit dem Autokennzeichen ihre Zuneigung zu Europa aus / Von Hannes Gamillscheg.

Kopf hoch, ihr wankelmütigen Europäer, es gibt sie doch noch, die Leute, die an die Idee der geeinten Union glauben! Just aus Dänemark, das doch bisher eher für EU-Skepsis und Stolpersteine bekannt war, die man dem Europa-Express auf die Gleise rollte, kommt nun ein Treueschwur, der wie Balsam auf den Wunden der gepeinigten Freunde der europäischen Solidarität wirken muss.

Die dänischen Autofahrer sind es, die dieses Bekenntnis ablegen. Dazu muss man wissen, dass Dänemark das EU-Land war, das sich am längsten gegen die Einführung der gemeinsamen Kennzeichen sträubte, denen also, auf denen das blaue Quadrat mit dem gelben Sternedutzend die Zugehörigkeit zur Union demonstriert. Als selbst EU-Neulinge wie Slowaken und Litauer ihre nationalen Nummernschilder längst gegen die unierten getauscht hatten, fuhren die Dänen stur weiter mit ihren weißen Platten mit rotem Rand und dem "DK" als Landesmerkmal auf einer eigenen Vignette. Bis dann im Jahr 2009 die alten Serien bei der Buchstabenkombination ZZ angelangt waren und ein neues System aufgelegt werden musste.

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Da hätte die dänische Verkehrsbehörde einfach zu den Euro-Kennzeichen übergehen können. Das aber hätte zu Protesten der lautstarken EU-Gegner geführt und zu einem Aufschrei, dass man die Dänen hinter ihrem Rücken in den Einheitsstaat listen wolle. Vor allem die rechte Dänische Volkspartei (DF), die ihr Land am liebsten hinter Grenzbäumen verschanzen würde, verwahrte sich dagegen, dass die Automobilisten eine Idee propagieren sollten, die ihnen zuwider ist. So kam es zu einem bürokratischen, aber weisen Kompromiss: Jetzt muss jeder Autokäufer vor der Registrierung seines Vehikels auf einem Formular ankreuzen, ob er die Euro-Platte mit dem blau-gelben Emblem wünscht oder eine "neutrale" nur mit Lettern und Ziffern. Der Preis ist der gleiche. Wenn die Dänen die Wahl hätten, würden sie auf die Sterne verzichten, prophezeite die DF.

Falsch gedacht! Jetzt, nach drei Jahren mit dem neuen System, gibt es verlässliche Zahlen: 15 Prozent wählen den dänischen Purismus, 85 Prozent das Europa-Kennzeichen. Dass die Buchstabenkombination DF zu jenen gehört, die nur mit EU-Insignien zu haben sind, ist eine kleine Bosheit des Systems. Auch jetzt, da der Kontinent in der Schuldenkrise wankt, deutet nichts darauf hin, dass der Trend kippt. Ein derart eindeutiges Votum ist Labsal für die gemarterten EU-Freunde, weshalb wir dahingestellt lassen wollen, ob es aus Europabegeisterung zustande kam oder nur, weil die schlauen Dänen einsehen, dass sie sich so den DK-Aufkleber ersparen können.

Autor: gam


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