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14. Juli 2012
UNTERM STRICH: Chinesische Klamotte unerwünscht
Amerikaner sind wütend über die Olympiakleidung aus Fernost / Von Frank Herrmann.
Harry Reid ist normalerweise kein Mann lauter Töne. Man kann sogar sagen, dass er unter den 100 US-Senatoren zu den leisesten zählt: ein Redner, der bisweilen fast flüstert und lieber in Hinterzimmern an Gesetzentwürfen feilt, statt hinter Mikrofonen das große Wort zu schwingen. Mit Blick auf Olympia allerdings hat sich der Fraktionschef der Demokraten vom patriotischen Bazillus anstecken lassen.
Die Kostüme, in denen Amerikas Athleten zur Eröffnungsfeier in die Londoner Arena marschieren, bringen Reid in Rage. "Ich denke, sie sollten diese Uniformen auf einen großen Haufen werfen, alles anzünden und noch einmal von vorn beginnen", poltert der Bergarbeitersohn aus Nevada. Vom Optischen her hat er nichts auszusetzen. Blaue Blazer, rote Krawatten, weiße Röcke und Hosen: Die Farben des Sternenbanners sind vertreten. Allerdings ließ Ralph Lauren, wohlgemerkt ein amerikanisches Modehaus, die Sachen in China schneidern, was in Washington einen Aufschrei der Entrüstung auslöste.
Das Bemerkenswerte ist, dass der Zorn keine Parteigrenzen kennt. In Sachen Olympia-Outfit sind sich Demokraten und Republikaner ausnahmsweise einig. "Eigentlich müssten sie es in unserem Olympischen Komitee besser wissen", schimpft John Boehner, der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses. Sherrod Brown, ein demokratischer Senator aus Ohio, bringt so etwas wie eine Last-Minute-Lösung ins Spiel. Hugo Boss möge das Team USA rasch neu einkleiden, vorzugsweise mit Hilfe einer Hugo-Boss-Fabrik in Cleveland, Ohio.
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Der Streit erinnert an eine Episode des Winters 2002. In Salt Lake City trugen die Hoffnungsträger des Gastgeberlands Barette aus Kanada, was im Nu für Ärger sorgte. Diesmal ist der Ton schärfer, zumal sich im Wahlkampf vieles um die Angst vor der neuen Supermacht China dreht. Für Mitt Romney stehen Handelskonflikte mit Peking auf der Agenda ganz oben. Barack Obama wiederum wirft seinem Herausforderer vor, Tausende Jobs ins Reich der Mitte ausgelagert zu haben.
Autor: vffd



