UNTERM STRICH: Das Krokodil, das in die Röhre schaut

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Mi, 16. Mai 2018

Kolumnen (Sonstige)

Laut Forschern scheinen die Panzerechsen Musik von Bach zu lieben / Von Michael Saurer.

"Die Musik reizt die Nachtigallen zum Liebesruf, die Möpse zum Kläffen", soll der Komponist Robert Schumann gesagt haben. Klänge – gleich welcher Couleur – werden eben immer unterschiedlich aufgenommen. Ein Volksmusik-Konzert etwa mag für Freunde weiß-blauer Gemütlichkeit etwas rundweg Erheiterndes haben, deren Gegner treibt es aber gleichzeitig die Zornesfalten ins Gesicht.

Seit einigen Jahren wissen wir, dass Musik auch bei Tieren unterschiedliche Reaktionen auslöst. Kühe etwa scheinen ein Faible für klassische Musik zu haben. Forscher der Universität Leicester etwa haben über 1000 Kühe zwölf Stunden am Tag mit ruhiger Musik beschallt und dabei festgestellt, dass die Milchproduktion um drei Prozent nach oben ging. Absoluter Favorit der Rindviecher sei Beethovens sechste Symphonie gewesen. Da muss es aus dem Euter nur so rausgeschäumt sein. Bei moderneren Klängen, etwa den Beatles, seien die Tiere hingegen in den Streikmodus gegangen, der Ertrag für den Bauern sei geringer gewesen.

Ganz anders drauf sind da die Weißen Haie, sozusagen die Rocker des Tierreichs. Spielt man ihnen nämlich Hardrock von AC/DC vor, werden sie deutlich ruhiger und würden ihre Schnauzen sogar verzückt an Unterwasserlautsprechern reiben, wie australische Forscher einmal ermittelt haben.

Und nun das: Selbst Krokodile reagieren stimuliert auf Musik, insbesondere auf die von Johann Sebastian Bach. Das haben Biologen der Ruhr-Uni Bochum herausgefunden. Per Magnetresonanztomographie konnten sie nachweisen, dass bei Bachs Brandenburgischen Konzerten plötzlich Hirnareale aktiviert wurden, die sonst nur vor sich hin schlummerten. Die fünf Tiere aus einer französischen Zuchtfarm sollen sich in der Röhre pudelwohl gefühlt haben. Wie sie auf Rock’n’Roll reagieren, wurde leider nicht untersucht. Interessant wäre gewesen, welche Teile des Hirns etwa bei "See You Later Alligator" oder Elton Johns "Crocodile Rock" so in Wallung geraten.