UNTERM STRICH: Das sag’ ich aber Mama!

Niklas Arnegger

Von Niklas Arnegger

Di, 10. April 2018

Kolumnen (Sonstige)

Geschwister oder die Frage von Liebe und Hass / Von Niklas Arnegger .

In der Literatur wie im richtigen Leben können Geschwister sich lieben (Hänsel und Gretel, siehe die Brüder Grimm). Häufiger aber hassen sie sich wie Franz und Karl Moor bei Schiller. Vorbildlich sind Tick, Trick und Track: "Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns waschen noch Gefahr." Ganz anders verhielten sich Romulus und Remus. Hätte ersterer seinerzeit seinen Zwillingsbruder nicht erschlagen, sondern umgekehrt, die Stadt am Tiber hieße heute vermutlich Rem. Wie auch immer: Heute ist Tag der Geschwister. Mutter- und Vatertag gibt’s schließlich auch.

Berühmte Geschwisterpaare sind die Geschwister Brontë, die Bee Gees, die Kardashians, die Jacob Sisters, die Klitschkos und die Geschwister Scholl. Die Beziehung von Geschwistern dauert meistens länger als die zu jedem anderen Menschen. Auch haben die meisten von uns Schwester oder Bruder: Derzeit wachsen 81 Prozent der Zehnjährigen mit mindestens einem Geschwister auf. Und so lang wir leben, hören wir von keinem anderen Menschen je die klassischen Geschwistersätze: "Aua, das sag’ ich aber Mama", "du stinkst" oder "heute bin ich der Bestimmer".

Mit Hilfe der Geschwister üben wir uns darin, zu streiten, Kompromisse zu schließen, Geheimnisse zu wahren oder auch nicht ("Petze!"). Kurz: zu wachsen an Körper, Seele und Verstand. Selbstverständlich kann dies in die Hose gehen; das Motiv der verfeindeten Brüder zieht sich durch die Geschichte seit Kain und Abel. Aber häufig raufen sich Geschwister nach Auseinandersetzungen wieder zusammen.

Streitursache kann die Beziehung zu den Eltern sein, oft über deren Tod hinaus. Wenn es nämlich ums Erbe geht ("dich haben sie schon immer bevorzugt"). Ein weiser Rabbi fragte aus diesem Grund ungerührt den Mann, der behauptete, in seiner Familie gehe es wahnsinnig harmonisch zu: "Habt ihr schon gedeelt (geteilt)?" Doch normalerweise gilt: Blut ist dicker als Wasser.