UNTERM STRICH: Der Gurken-Thron ist leer

Sebastian Kaiser

Von Sebastian Kaiser

Mo, 13. August 2018

Kolumnen (Sonstige)

Eines der schönsten Ämter Brandenburgs findet keine Bewerber / Von Sebastian Kaiser.

Eigentlich ist es eines der schönsten Ämter, die es in Brandenburg gibt. Gurkenkönig und Gurkenkönigin. Wer hat nicht schon heimlich davon geträumt: Einmal im Leben in eine echte Spreewälder Gurke beißen und mit adeligem Esprit unter dem Jubel der Massen die saure Leckerei auf Volksfesten zu vertreten. Es könnte so schön sein – nur leider findet sich niemand für diesen Job. Am Wochenende jedenfalls, auf dem diesjährigen Gurkentag im Spreewald, konnte kein neues Gurkenkönigspaar gekrönt werden. Das teilte der Spreewaldverein am Sonntag mit. Obwohl die eingelegte Gurke die Spezialität der Region ist, habe es an Bewerbern gemangelt. Ob irgendjemand mal beim Deutschen Fußballbund nach einem möglichen Kandidaten gefragt hat? Aber lassen wir das.

Jedenfalls ist es in Brandenburg ein Elend mit den Ehrenämtern. In der Kleinstadt Guben ist man ebenfalls fieberhaft auf der Suche nach der diesjährigen Apfelmajestät. Die sollte eigentlich im September gekrönt werden. Auch hier sind keine Kandidaten in Sicht – sogar die Bewerbungsfrist musste verlängert werden.

In Südbaden hatten wir bislang Glück. Auch wenn es manchmal nicht einfach ist – bislang wurden Weinprinzessinnen und Weinköniginnen noch immer gefunden. Schließlich hat so eine Regentschaft durchaus ihre Vorteile. Gutedel statt Gurke. Lustig statt sauer. Weinfest statt Gurkentag. Die Vorzüge im Jobprofil einer waschechten badischen Weinmajestät liegen klar auf der Hand.

Der Spreewaldverein kann einem jedenfalls leidtun – vielleicht wäre es daher an der Zeit für eine echte Geste der Völkerverständigung. Vielleicht können die badische Weinkönigin und ihre Prinzessinnen in die saure Gurke beißen und drüben aushelfen. Es könnte eine echte Wine(!)-Win-Situation sein. Es soll ja auch um die Qualität des Weins in den brandenburgischen Weiten nicht zum Besten bestellt sein. Neue Absatzmärkte für repräsentative Unterstützung – das wär’ doch was. Lang lebe die Weinkönigin!