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28. Januar 2012
UNTERM STRICH: Der Idioten-Entlarver
In Russland werden Fehler von Beamten im Internet veröffentlicht / Von Gina Kutkat.
Kennen Sie den schon? "Beamte unterscheiden sich von gewöhnlichen Bürgern darin, dass sie ihre Fehler noch nach Jahrzehnten mittels Akten belegen können." Dieser – zugegeben – nicht besonders geistreiche Beamtenwitz könnte sich in Zukunft ändern in "Beamte unterscheiden sich von gewöhnlichen Bürgern darin, dass ihre Fehler im World Wide Web entlarvt werden." Haha? Zumindest in Russland haben Mitarbeiter von Behörden ab sofort nicht mehr viel zu lachen.
Sie müssen sich darauf einstellen, dass bald jeder russische Bürger im Internet nachlesen kann, wie viele Fehler an einem bestimmten Arbeitsplatz gemacht wurden. Kein Geringerer als der russische Präsident Dmitri Medwedew hat ein Internetprojekt ins Leben gerufen, das sich um die Bekämpfung der Dummköpfe im Land und speziell in der Beamtenwelt kümmern soll.
Das ambitionierte Projekt heißt "Russland ohne Idioten" und versteht sich als ein interaktives. Auf einer sogenannten "Karte der Idioten" können russische Bürger die Dummheiten von Beamten melden, die dann auf der Karte markiert werden. Kaffee verschüttet? Termin verschlafen? Berechnungsfehler? Daten verschlampert? Was immer ein russischer Beamter in Zukunft verbockt, wird auf der Karte eingetragen – so der Plan. Ist das noch zu fassen? Der Bürger als Online-Souverän? Kaum zu glauben, aber es wird noch kurioser. Die Projektverantwortlichen besitzen zudem eine mathematische Formel zur Errechnung der Durchschnittsdummheit einer Region. Aus Angst vor Manipulation bleibt diese Formel jedoch geheim. Damit die Beamten eine Chance zur Besserung haben, verfärbt sich übrigens die Markierung von rot zu grün, sobald ein Fehler behoben wurde. Ob Dmitri Medwedew mit seinem Projekt Erfolg haben und sein Russland schlauer machen wird, steht in den Sternen. Sicher ist, dass seine Suche nach Russlands dümmsten Beamten für mehr Lacher sorgt als der Witz zu Beginn dieses Textes.
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Autor: kut
