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30. Januar 2012
UNTERM STRICH: Der schiefe Turm von London
Britische Parlamentarier schauen mit Sorge auf den Big Ben / Von Peter Nonnenmacher.
Im britischen Parlament macht man sich Sorgen. Mal nicht über politische Spannungen oder Spesenskandale, sondern über das Gebäude, in dem die Parlamentarier arbeiten. Einem Bericht der Bauaufsicht zufolge weist der Palast von Westminster, die Mutter aller Parlamente, nämlich überall Risse auf. Die Fundamente haben sich verschoben. Der Glockenturm, der berühmte Big Ben, neigt sich, wie Messungen festgestellt haben, um fast einen halben Meter an der Spitze. Das ist zwar nur ein Sechzehntel der Neigung des Schiefen Turms von Pisa. Es hat aber schon zur Frage Anlass gegeben, ob dieses Wahrzeichen Londons womöglich eines Tages in die Themse kippen könnte.
Diverse Bauingenieure glauben freilich, dass eine solche Sorge übertrieben ist. Professor John Burland von Londons Imperial College ist der Überzeugung, dass man die nächsten 10 000 Jahre noch keine Angst um Big Ben zu haben braucht. Sehr wahrscheinlich sei es, dass der Turm schon bei seiner Errichtung vor über 150 Jahren eine leichte Neigung aufwies. Gebäude dieser Art und Höhe hätten das nun mal so an sich. Skeptiker in London halten es aber für möglich, dass die fünfstöckige Tiefgarage unter dem Parlament oder aber ein in den 90er Jahren gebauter neuer U-Bahn-Tunnel die Neigung verursacht haben könnte. Die Abgeordneten müssen nun darüber entscheiden, ob sie für einige Jahre aus dem Parlament ausziehen sollen, um größere Reparaturen des Palastes und seiner 1100 Räume zu erlauben. Auch ein Umzug auf Dauer und ein Verkauf des Geländes gelten als Optionen. Allerdings nicht als eine sehr wahrscheinliche: Westminster Palace steht am traditionellen Platz der britischen Parlamente – auch wenn das heutige neogotische Gebäude erst im 19. Jahrhundert erstellt wurde. Der zuständige Parlamentsausschuss berät nun, was zu tun ist. Den Vorsitz führt übrigens der Sprecher des Unterhauses, John Bercow. Seine Privatgemächer liegen gleich unter dem Big Ben. Er wird seinen Vorsitz-Job ganz bestimmt sehr ernst nehmen.
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Autor: no
