UNTERM STRICH: Der Teufel als Attraktion

Martin Dahms

Von Martin Dahms

Fr, 18. Januar 2019

Kolumnen (Sonstige)

Eine spanische Stadt will mit umstrittener Statue Touristen anlocken / Von Martin Dahms.

Die Statue ist schon gegossen: Ein 1,70 Meter großer Teufel aus Bronze, dick und lächerlich, den rechten Arm von sich streckend, in der Hand ein Mobiltelefon, bereit für ein Selbstporträt. Satanisten könnten beleidigt sein, weil diesem Herrn der Finsternis jegliche Hoheit abgeht.

Doch beleidigt sind andere Gläubige. 5443 von ihnen haben bisher eine Petition im Internet unterzeichnet, die die Aufstellung der Teufelsstatue in Segovia, einer Stadt in Zentralspanien, verhindern will. Denn die Skulptur verherrliche das Böse, beleidige alle Katholiken. Die Stadtverwaltung wurde vom Verwaltungsgericht aufgefordert, gute Gründe für das Aufstellen der Teufelsstatue zu nennen.

Das alles kann José Antonio Abella nicht fassen. Der 63-jährige Segovianer ist der Schöpfer der Statue. Die Idee dazu kam ihm bei einem Besuch in Lübeck, wo seit 1999 am Südeingang der dortigen Marienkirche ein lächelnder, sich den Bart kraulender Teufel sitzt, der unfreiwillig beim Bau der Kirche geholfen haben soll. "Was für eine schöne Idee", fand Abella und importierte sie nach Segovia.

Denn in der kastilischen Provinzhauptstadt steht ein großartiges römisches Aquädukt, errichtet ums Jahr 100 nach Christus, wobei der Teufel ebenfalls seine Hand im Spiel gehabt haben soll: Der Legende nach baute er die Wasserbrücke in nur einer Nacht, um sich im Gegenzug die Seele eines jungen Mädchens zu sichern. Beim ersten Hahnenschrei am Morgen fehlte noch ein Stein zur Vollendung, der Teufel ging leer aus.

Solche Geschichten haben heute vor allem touristischen Wert, deswegen war die sozialistische Stadtregierung ganz begeistert von der Idee Abellas. Die Statue soll in einem Bereich des Aquädukts aufgestellt werden, wo die Besucher dann ein Selfie vom Selfie-schießenden Teufel machen können. Eine Attraktion, die die Stadt in einer Mitteilung mit der Kleinen Meerjungfrau in Kopenhagen oder dem Manneken Pis in Brüssel vergleicht. Bleibt abzuwarten, ob sich davon das Verwaltungsgericht überzeugen lässt.