UNTERM STRICH: Der Traum von der Brexitannia

Peter Nonnenmacher

Von Peter Nonnenmacher

Sa, 30. Dezember 2017

Kolumnen (Sonstige)

In London wünschen sich manche eine neue royale Yacht / Von Peter Nonnenmacher.

Londons königstreue Tories haben sich zum neuen Jahr etwas Cleveres einfallen lassen. Sie wollen zur Feier des britischen Austritts aus der EU eine nagelneue Royal Yacht Britannia in Dienst stellen. Da man keine Steuern für die Baukosten eines solchen "schwimmenden Palastes" abzwacken kann, sollen nun Lotteriegelder die benötigten 120 Millionen Pfund in die Kasse bringen.

Fünfzig konservative Abgeordnete haben jetzt die Regierung gedrängt, einen Losverkauf zu organisieren, damit man post Brexit wieder ein königliches Vorzeigeschiff auf die Weltmeere senden kann. Die alte Britannia, mit der die Queen vierzig Jahre lang sehr komfortabel die Welt bereiste, wurde 1997 aus Kostengründen ausgemustert. Seither ist aber im Tory-Lager immer wieder der Wunsch nach einer neuen königlichen Yacht laut geworden. In der Folge des EU-Referendums und der Nostalgiewelle, die der Brexit-Beschluss auslöste, hat Außenminister Boris Johnson das Glanz-und-Glorie-Projekt erneut aufs Tapet gebracht. Mit einer neuen Britannia könne man ferne Völker beeindrucken und profitable Vertragsschlüsse erzielen, meint Johnson.

Nun da Großbritannien "seine uralte Rolle als Meeresnation und Handelsmacht wiederentdeckt", sei eine neue königliche Yacht geradezu unerlässlich, schwärmt der rechtskonservative Daily Telegraph. Gegner der Idee aus allen Parteien halten eine Brexitannia hingegen für eine komplette Verrücktheit der Brexit-Hardliner. Zu einer Zeit, da die Kriegsmarine drastisch schrumpft und britische Familien über immer weniger Geld verfügen, sei ein solcher Luxus widersinnig, findet die gesamte Opposition. Immerhin würde der Betrieb des Schiffes jedes Jahr eine horrende Summe aus der Haushaltskasse verschlingen. Außerdem müsste eine Hundertschaft von Matrosen abgestellt werden. In Downing Street hüllt man sich vorerst in Schweigen. Das neue Jahr beginnt, wie das alte endete: mit viel Rätselraten über den Fortgang der Brexit-Saga.