UNTERM STRICH: Der Trend zum Gack

Frauke Wolter

Von Frauke Wolter

Di, 15. Mai 2018

Kolumnen (Sonstige)

Immer mehr Menschen halten Hühner im eigenen Garten / Von Frauke Wolter.

Sie heißen Penelope und Clementine und sie bevorzugen Knuspermüsli; am liebsten aufgewärmt und mit ein paar Stücken Frucht verziert. Wenn sie gut drauf sind, gackern sie freundlich, und hin und wieder legen sie auch ein Ei. Als kleines Dankeschön sozusagen. Penelope und Clementine sind Hühner und sie sind die Haustiere meiner Schwägerin. Diese lebt nahe Palo Alto in Kalifornien und ist voll im Trend. Denn dort, im Silicon Valley, ist das Hühnerhalten inzwischen fast ein Muss. Viele, die viel Geld haben und (auch) deshalb eine 80-Stunden-Woche, nennen Federvieh ihr Eigen. Weil es nicht viel Arbeit macht und das Kind auch etwas zum Streicheln und Spielen hat.

Begonnen hat alles angeblich mit einem zugegeben etwas hämischen Zeitungsartikel eines Ostküstenjournalisten über die doch sehr schrägen Eigenarten der Westküstler. Und weil dieser besagte Journalist einen Manager interviewte, der sich nach getaner Arbeit am liebsten mit einem Drink in seinem weitläufigen Garten entspannte und dem leisen "Gack, gack, gack" seiner Hühner lauschte, wurde daraus gleich Kult. Im Sinne von: Seht her, wie verrückt die Kalifornier sind! (Okay, das Verallgemeinern spricht nicht gerade für die Zeitungszunft.)

Aufgesprungen auf den neuen Lifestyle sind aber nicht nur die Amerikaner, auch in Deutschland ist scharrendes Geflügel im eigenen Garten populär, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Es sei wie Bullerbü, schwärmt da eine Hennenhalterin, ländliche Idylle pur. Die Züchter freut’s, sie melden eine wachsende Nachfrage nach den Hühnern. Etwa 200 Rassen stehen in Deutschland zur Auswahl, Equipment gibt’s auch genug, die Zahl der Ratgeber steigt (für ein friedliches Stallklima benötige man mindestens drei Hühner, heißt es da). Und was, wenn man in den Urlaub will? Kein Problem, sagt meine Schwägerin, Hühner-Sitter schauen gerne zweimal am Tag vorbei und schicken Fotos von der Henne daheim. Mancherorts sollen sie dafür 200 Dollar die Stunde verlangen. Ach, verrückte Westküste.