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10. Februar 2012
UNTERM STRICH: Die Geldwerdung der Pommes
Wie ein Künstler 2000 Euro für etwas Verschwundenes bekommt / Von Bettina Schulte.
Wie viel würden Sie für zwei vergammelte Pommes-Frites-Stäbchen bezahlen? Nichts? Na logisch – oder? In der Kunstszene aber kommt man mit dem sogenannten gesunden Menschenverstand oft nicht recht weiter. Im Gegenteil: Er ist schwer verpönt. Der Coup (früher hieß das Schildbürgerstreich) des Künstlers Michael Bohnenberger muss aber selbst den ästhetischen Freigeist auf die Palme bringen. Die Vorlage zu einer vergoldeten Pommesskulptur in Kreuzform – eine ziemlich abstruse Idee, aber darum geht es jetzt nicht – hatte der Mann von seiner Ex-Galerie nach 20 Jahren zurückgefordert. Das Kartoffelformpärchen war nicht mehr aufzufinden – zum Glück für Bohnenberger, denn das Kunsthandelshaus muss ihm jetzt auf richterliches Geheiß 2000 Euro zahlen. Nicht ob die verschwundenen Pommes Kunst waren, wurde vom Münchner Oberlandesgericht verhandelt. Sondern ihr "wirtschaftlicher Wert". Den sahen die Richter damit gegeben, dass eine mit dem Künstler befreundete (!) Sammlerin behauptete, sie hätte die Fritten gern für 2500 Euro gekauft. Auch für die Dame ist es ein großes Glück, dass es die Pommes nicht mehr gibt. So ist das Urteil ein wunderschöner Beleg dafür, mit welchen virtuellen Größen der Kunstmarkt seine Geschäfte macht. Bohnenbergers neues Buch heißt übrigens "Hinten sein – vorne dasein". Alles klar? Neben der Signatur wird ein echtes Brandloch versprochen. Hoffentlich verschwindet das nicht auch noch. Die "Nullwerdung des Ich" (O-Ton Bohnenberger) hat sich der Künstler einstweilen durch die Geldwerdung seiner Pommes vergoldet.
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Autor: bs


