UNTERM STRICH: Die Krähe mit der Kippe

Bernhard Honnigfort

Von Bernhard Honnigfort

Fr, 23. Februar 2018

Kolumnen (Sonstige)

In Jever wird man den Vogel nicht los – nun gibt es eine Idee / Von Bernhard Honnigfort.

Die Stadt Jever musste dieser Tage eine Kapitulation verkünden. Der siegreiche Feind ist Corvus frugilegus, die Saatkrähe. Der Vogelkenner schätzt ihre Geselligkeit und Intelligenz sowie das häufige "Krahkrah", der Bürgermeister von Jever tut das eher nicht. 650 Saatkrähen schätzen die friesische Stadt als gemütlichen Lebensraum, sitzen gerne auf Bäumen, bauen Nester, unterhalten sich laut und scheiden Dinge aus, die auf Autos landen.

Im Rathaus wertete man derartiges Tun als Kriegserklärung und begann mit Attacken gegen das Krähenheer. 2013 war es, da räumte man Eier aus den Nestern. Half nicht. 2014 nahm man die Nester und setzte sie in weit entfernte Bäume. Half nicht. 2015 versuchte man es mit Ballons und Flatterkram in den Wipfeln. Half auch nicht. Aber dann, 2018: Dieses Jahr wollten die Jeveraner mit Hightech angreifen, Laserpointer installieren und die Krähen vergrämen. Vergrämen heißt, zum Umzug bewegen, denn Töten ist nicht erlaubt. Die Krähe steht unter Schutz.

Jever war guter Dinge, man plante den Einsatz von Lasern der Stärke 2, was als eher niedrig gilt. Doch Verbündete der Saatkrähe in der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises entschieden: Stärke 2 ist zu viel, die Netzhaut der Krähe könnte Schaden nehmen. Erlaubt seien Laser der Stärke 1. Im Rathaus führte das zur Kapitulation. Mit Lasern Stärke 1, hieß es, komme man nicht einmal hoch in die Baumkronen.

Hoffnung kommt aus den Niederlanden. Kann man Krähen nicht besiegen, muss man sie zu Angestellten machen, schlagen die Tüftler Ruben van der Vleuten und Bob Spikman aus Amsterdam vor. Sie wollen einen Automaten bauen, der Krähen mit Futter belohnt, wenn sie Zigarettenstummel hineinfallen lassen. Ihre Idee: Haben die ersten Krähen das begriffen, fliegen bald alle Krähen durch Jever und räumen die Stadt auf, dass die Jeveraner sie nicht wiedererkennen. Unklar ist noch, wie sie den ersten Krähen ihr Konzept nahebringen wollen. An der Geschichte bleiben wir dran.