UNTERM STRICH: Drum prüfe, wer klickt

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Von afp

Mi, 10. Januar 2018

Kolumnen (Sonstige)

Das Trump-Enthüllungsbuch beschert auch einem Historiker Erfolg / Von Ines Alender.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet, schrieb Friedrich Schiller einst. Stimmt. Manchmal ist es allerdings durchaus von Vorteil, mit dem Prüfen früher anzufangen – bei, sagen wir einmal, nicht ganz so bedeutenden Lebensentscheidungen.

Doch mit der Kontrolle scheinen es viele nicht allzu genau zu nehmen. Das wissen wir spätestens, seit bekannt ist, dass regelmäßig Urlauber in Rodez in Frankreich landen, obwohl sie eigentlich nach Rhodos in Griechenland wollen, oder – noch ungeschickter – in Sydney im kanadischen Nova Scotia statt in der gleichnamigen Stadt in Australien. So ist das eben im schnelllebigen Internet. Sind ein paar Daten einmal vorausgefüllt, reicht oft ein einziger Klick – und, zack, ist die Bestellung in der großen Netzwelt verschwunden – auf Nimmerwiedersehen. Da kann man Details schon einmal übersehen.

So scheint es nun auch einigen Fans des neuen Enthüllungsbuches über den US-Präsidenten Donald Trump ergangen zu sein. Das heißt "Fire and Fury" und erschien in englischer Fassung vergangenen Freitag. Kaum war es auf dem Markt, war es in vielen Läden in Washington auch schon wieder vergriffen. Was liegt also näher, als den Bestseller einfach und schnell im Netz zu bestellen?

Tja, ganz so einfach war es offensichtlich nicht. Es gibt nämlich noch ein zweites Buch, das diesen Titel trägt. Das ist allerdings ein Werk über den Zweiten Weltkrieg, geschrieben von Randall Hansen, einem Historiker der Universität in Toronto. Der staunte nicht schlecht, als sein Werk auf den Listen eines Internetkaufhauses plötzlich nach oben schnellte. Bis dato hatte es, drücken wir es diplomatisch aus, nicht zu den Bestsellern gezählt.

Einige Leute haben sich wohl verklickt, räumte Randall Hansen nun im Handelsblatt ein. Er hoffe aber, dass die Mehrheit sein Buch aus Interesse gekauft habe. Nun ja. Vielleicht wollten sich die Touristen statt der warmen Metropole Down Under auch einfach mal das 26 000- Einwohner Städtchen an der Ostküste Kanadas anschauen. Könnte ja sein.