UNTERM STRICH: Ein zu lautes öi, öi, öi

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Mo, 12. März 2018

Kolumnen (Sonstige)

Seelöwen im Kölner Zoo haben ein Problem mit der Bezirksregierung / Von Michael Saurer.

Er ist ein echter Revolverheld – und doch nur fünf Zentimeter lang. Der Pistolenkrebs trägt seinen Namen, weil er mit seiner rechten Schere Luftblasen erzeugt, die mit einem Knall implodieren. Einem lauten Knall. So laut, dass er damit seine Beutetiere betäuben kann. 250 Dezibel erzeugt er auf diese Weise – ein Düsenjet bringt es nur auf maue 120 Dezibel.

Das bringt dem leuchtend roten Pistolero einen durchaus respektablen Titel ein: Er gilt als das Tier, das die lautesten Geräusche produzieren kann. Ein brüllender Löwe? Gerade mal 114 Dezibel. Elefanten haben zwar einen riesigen Rüssel, doch daraus törööt es mit gerade einmal 117 Dezibel.

Doch selbst das ist noch laut, verglichen mit den Seelöwen im Kölner Zoo. Auf lediglich 54 Dezibel bringen es die lustigen Robben. Das klingt harmlos, aber scheint doch zu viel zu sein für eine Frau, die in direkter Nachbarschaft zu dem Tiergarten lebt. Sie fühlte sich gestört und gab ein Lärmschutzgutachten in Auftrag.

Und tatsächlich: Die Seelöwen sind um zehn Dezibel lauter, als es im angrenzenden Wohngebiet erlaubt ist. Das bringt die Behörden auf den Plan, die sich nun mit schwierigen Fragen auseinanderzusetzen haben: Sind die Seelöwen schlecht erzogen? Haben sie Zahnschmerzen? Entstammen die lauten Geräusche gar frivolen Spielen im Pool der Anlage?

Die Bezirksregierung versucht nun, eine Lösung für das Problem zu finden. Schallschutzwände etwa, auch ein lärmreduzierender Vorhang vor der Höhle der Tiere ist im Gespräch. Es geht wohl nicht anders. Mahnende Worte in Richtung der Robben haben zuvor offenbar nicht gefruchtet und Maulkörbe oder im Maul implantierte Dämpfer, wie man sie aus der Blasmusik kennt, würden nur die Tierschützer auf den Plan rufen.

Im schlimmsten Fall müsste man die Robben einfach ausquartieren und sie in einen hinteren Teil der Anlage bringen. Doch was macht man dann mit dem Wasserbecken? Richtig! Man könnte dort den Pistolenkrebs ansiedeln.