UNTERM STRICH: Fisch statt Fastfood

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Do, 16. August 2018

Kolumnen (Sonstige)

Ein Südsee-Staatschef möchte die ganze Region schlanker machen / Von Michael Saurer.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist – nomen est omen – seit jeher um die Gesundheit der Erdenbürger besorgt. Da gibt es einiges zu tun. Denn dass viele Menschen einen nicht gerade gesunden Lebensstil pflegen, dürfte nicht zur Diskussion stehen. Viele rauchen, trinken gerne mal einen über den Durst und schaufeln sich mit Vorliebe kalorienreiche Nahrung in die übergroßen Mägen.

Gerade Letzteres wird immer mehr zum Problem, und das nicht nur in den modernen Industriestaaten, sondern auch da, wo man es gar nicht erwartet. Denn raten Sie mal, wer die WHO-Liste mit den dicksten Einwohnern anführt. Falsch, es sind nicht die USA, die liegen auf Patz 18 (von 187 Staaten). Auch nicht Deutschland, das abgeschlagen auf Platz 94 gelandet ist.

Es sind die Südseeatolle Cookinseln, Palau, Nauru, Samoa, Tonga und die Marshallinseln, die seit der letzten weltweiten Erhebung des Body-Mass-Indexes der WHO 2014 die vorderen sechs Plätze belegen. Dabei ernährten sich die Insulaner lange gesund von Fisch und Kokosnüssen. Da man auf den (idealisierten) Bildern Paul Gauguins nur gertenschlanke Insulanerinnen sieht, scheint dies den Berichten Recht zu geben, die sagen, dass es auch und vor allem der neuzeitliche Einfluss moderner Fastfood war, der die Menschen so auseinandergehen ließ.

Zeit gegenzusteuern. Und da man als Regierungschef mit gutem Beispiel vorangehen sollte, versucht der Ministerpräsident von Tonga derzeit einen Wettbewerb der skurrilen Art ins Leben zu rufen.
Akilisi Pohiva schlägt vor, dass alle Regierungschefs der Mitgliedstaaten des Pazifischen Inselforums sich einem Wettbewerb im Abnehmen stellen sollten. Nach einem Jahr solle dann gemessen werden, wer die meisten Kilos verloren habe.

Gewinnen würde Pohiva allerdings nicht. Auf Fotos von ihm strahlt einem ein schlanker, graumelierter Mann entgegen. Ob die Nachbarstaaten sich deshalb gerade von ihm den Braten vom Teller nehmen lassen, ist insofern zweifelhaft.