UNTERM STRICH: Geh, spiel mit deiner Ingenieurin

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Do, 28. Juni 2018

Kolumnen (Sonstige)

Ein Puppenhersteller gibt neuzeitliche Tipps für die Berufswahl / Von Stefan Hupka.

Das war eine Sternstunde des deutschen Farbfernsehens, vor ziemlich genau 17 Jahren: Verona Feldbusch und Alice Schwarzer. Miss Schönheitskönigin (33) streitet mit Mrs. Frauenbewegung (58). Body trifft Brain. Und Moderator Kerner kriegt keinen Satz zu Ende. Die Feldbusch (heute Pooth) mit tiefem Dekolleté und langen Fingernägeln, die Schwarzer hochgeschlossen mit Professorinnenbrille. "Eine einzige Ohrfeige für uns Frauen" hatte die Altfeministin in ihrer Emma die junge Gegenspielerin geschmäht. Die revanchierte sich unbekümmert: "Sie sind die Vorzeige-Emanze, und ich nehme gern die Barbie-Karte." Applaus. Das saß. Zwei zu null, würde man heute sagen.

Ob Pooth das nochmal so sagen würde, ist die Frage. Denn Barbie ist irgendwie nicht mehr das, was es mal war, jedenfalls nicht nur – dieses blonde, viel zu schlanke Plastikpüppchen, meist in Rosa, mit Wespentaille und viel zu langen Beinen, von dem deutsche Mädchen angeblich im Schnitt sieben in der Spielkiste haben.

Inzwischen gibt es Barbara Millicent Roberts, wie sie standesamtlich heißt, in allen Haut-, Haar- und Augenfarben, als Künstlerin (Frida Kahlo), Pilotin, Boxerin oder mit Muslimkopftuch. "Inspirierende Frauen" nennt der Hersteller seine Serie, die er zum Weltfrauentag vorgestellt hat; man raunt, er kämpfe gerade mit schlechten Umsatzzahlen.

Und damit nicht genug. Jetzt will die Firma Mädels in aller Welt per Püppchen auch noch zur speziellen Berufswahl überreden. Nicht mehr TV-Sternchen, Mannequin oder Fitnessmutti, sondern – Ingenieurin für Robotertechnik. Das dieser Tage in Kalifornien vorgestellte Modell trägt flache Schuhe, Kittel und Schutzbrille. Und es sieht, das können wir uns leider nicht verkneifen, ein bisschen so aus wie die Klassenstreberinnen, die einen früher nicht haben abschreiben lassen. Das war unkollegial, aber gut, feministisch gesehen mag es in Ordnung gewesen sein. Mann soll sich seine Karriere nicht erschummeln. Findet höchstwahrscheinlich auch Frau Schwarzer.