UNTERM STRICH: Geheimkot entschlüsselt

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Mo, 19. Februar 2018

Kolumnen (Sonstige)

Wie Käfer- und Mauerreste die Stuttgart-21-Planer vergrämen / Von Stefan Hupka .

"Karl der Käfer wurde nicht gefragt, man hat ihn einfach fortgejagt." Das war 1983, als die Grünen noch grün hinter den Ohren waren und aus dem Radio dieses Ökolied kam, das sich bitter über einen Straßenneubau beklagte. Heute, da ein Grüner das Land regiert, ist Karl der King – und der Horror jedes Bauplaners. Schon wenn er nur Köttel hinterlässt, fangen die Dinge an kompliziert zu werden. Etwa bei Stuttgart 21, einem Bau, der es ohnehin schwer hat. Bevor dafür ein Baum fallen darf, muss Karl der Käfer gefragt werden, ob er da wohnt, oder noch schlimmer, sein Kumpel, Jürgen der Juchtenkäfer. Der ist streng geschützt – und damit ein natürlicher Verbündeter der Projektgegner. Die sollen jetzt versucht haben, mit Kot vom Käfer Jürgen Sabotage am verhassten Tiefbahnhof zu begehen. Das behauptet die Bahn und beruft sich auf ein Gutachten. In "Juchtenkäfer-Verdachtsbäumen", die man nach langem Genehmigungsverfahren fällen durfte, wurde letzte Woche in einem Hohlraum eine Einwegflasche gefunden, darin unter anderem Käferköttel. "Wir prüfen rechtliche Schritte", zürnt der Bauherr.

Zunächst aber wäre die Strafbarkeit zu prüfen. Über das Vergrämen von Bahnmanagern mittels Käferkot steht im StGB nichts. In Betracht käme Grober Unfug (Paragraf 118 Ordnungswidrigkeitengesetz). Aber – gab es das nicht schon immer? Ältere Freiburger erinnern sich an die braunfleckige Beißschrecke, die 1993 fast den Messeneubau vereitelt hätte. Oder die toten Zwergfledermäuse vom Roßkopf, von denen es hieß, Windradgegner hätten sie hingelegt. Umgekehrt in Norddeutschland, dort soll einer heimlich Bäume mit Rotmilan-Nestern absägen, zufällig da, wo Rotoren hin sollen.

Als nächstes muss die Bahn übrigens in Stuttgart nicht Karl den Käfer fragen, ob sie weitermachen darf, sondern die Denkmalpfleger: Bei Aushubarbeiten seien Reste einer Wasserführung aus dem 16. Jahrhundert entdeckt worden, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Es klang einigermaßen verzweifelt.