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20. April 2017

UNTERM STRICH: Hautärzte nach Hollywood!

Viele Filmschurken haben Haarausfall und Warzen – zu viele / Von Patrik Müller.

In Hollywood ist die Welt noch in Ordnung. Gut und Böse sind klar getrennt, der Held sieht auch aus wie einer. Weiße Zähne, markantes Kinn, makellose Haut, volles Haar. Am Ende reitet er in den Sonnenuntergang. Sein Gegner, das Wort allein sagt alles, ist ein Böse-Wicht. Schiefe Zähne, fliehendes Kinn, fleckige Haut, schütteres Haar. Am Ende liegt er geschlagen am Boden. Die Welt ist gerettet.

Amerikanische Hautärzte laufen jetzt Sturm gegen die Schwarzweißmalerei im Kino. In einer Dermatologen-Fachzeitschrift haben sie einen Artikel veröffentlicht, der sich mit Filmschurken beschäftigt. Die Autoren haben eine Liste der 100 bekanntesten Bösewichte ausgewertet. Ihre Erkenntnis ist schockierend, aber auch wenig überraschend: Wer Schlimmes im Schilde führt, ist ziemlich oft dermatologisch herausgefordert.

Kannibale Hannibal Lecter (Das Schweigen der Lämmer): Alopezie, also Haarausfall. Darth Vader (Krieg der Sterne): Narben, tiefe Augenringe, unnatürlich graue Haut, auch Alopezie. Die Böse Hexe des Westens (Der Zauberer von Oz): verruca vulgaris, eine fette Warze. Der Killermönch aus dem Kirchenthriller "Da Vinci Code – Sakrileg" ist Albino. Horror-Ikone Freddy Krueger (Nightmare on Elm Street) besteht quasi nur aus Narben.

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Man könnte alles als dramaturgischen Kniff abtun. Das Problem sind die Bilder, die sich festigen: Menschen, die anders aussehen, werden diskriminiert. Darth Vader hätte außerhalb des Galaktischen Imperiums keinen Führungsposten bekommen, die Böse Hexe des Westens außerhalb von Oz nie die Zusage für ihre Traumwohnung mit Bergblick. Einsam wären beide. Arm wohl auch.

Es wird Zeit für andere Filme. Wir brauchen Filme, in denen warzige Kahlköpfe die Welt vor Surfer-Schönlingen retten, in denen Frauen mit Schuppenflechte langbeinige Blondinen in die Schranken weisen. Kurzum: Wir brauchen Filme, die realistischer sind.

Oder einfach mehr heldenhafte Hautärzte in den Hauptrollen.

Autor: pam