UNTERM STRICH: Hinten was weglassen

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Sa, 24. März 2018

Kolumnen (Sonstige)

Am Sonntag gehen im Kölner Millowitsch-Theater die Lichter aus / Von Heidi Ossenberg.

Ist das nun traurig, sollte man erleichtert sein – oder ist es einfach nur egal? In Köln macht am Sonntag ein gewisser Peter Millowitsch zum letzten Mal das Licht in einem Theater aus, das sein Großvater 1936 gründete. Und das sein Vater, Willy Millowitsch, in den Nachkriegsjahren zu einer Institution machte.

Ein Volkstheater, das dank Live-Fernsehübertragungen den deftigen kölschen Mundart-Schwank bundesweit salonfähig machte. Anders ausgedrückt: Die Nation lachte sich scheckig über "Etappenhasen", "Der keusche Lebemann" oder auch "Tante Jutta aus Kalkutta". 80 Prozent Einschaltquote waren in den Anfangsjahren keine Seltenheit beim NWDR. Das Publikum – ob bundesweit am Bildschirm oder in der Aachener Straße 5 in Köln – wollte sich nach den schweren Kriegsjahren unterhalten lassen. Von Verwechslungskomödien, Geschichten von braven Leuten, ihren Missgeschicken und harmlosen Romanzen. Von political correctness war da noch nicht die Rede. Dass das funktionierte, lag auch an dem "Kölsch soft", wie Peter Millowitsch es einmal nannte, also an einem Dialekt, den nicht nur alteingesessene Domstadtbewohner verstanden. Der Stimme einen Singsang verleihen "und hinten was weglassen", verriet der letzte Prinzipal kürzlich im Deutschlandfunk – dann verstehe jeder im Land den kölschen Slang.

So anpassungsfähig wie beim Dialekt freilich zeigte sich das Volkstheaterstück inhaltlich nicht. Nachwachsende Generationen konnten sich längst nicht mehr so begeistern für den Humor à la Millowitsch. Als Willy 1999 starb, blieb das Stammpublikum seinem Sohn Peter und dem Ensemble noch eine Weile treu, als sich der WDR aber 2016 von den Liveübertragungen verabschiedete, weil die Quote nicht mehr stimmte, da war das Theater angezählt. Ist das nun traurig, sollte man erleichtert sein – oder ist es einfach nur egal? Zitieren wir doch einfach den Titel des Stücks, das am Sonntag in Köln nochmal gespielt wird: "Wer weiß, wofür et jot es!"