UNTERM STRICH: Hubertus und die wilde 13

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Sa, 12. Januar 2019

Kolumnen (Sonstige)

Warum auf Geheiß der Regierung eine ganze Ordnungszahl ausfällt / Von Stefan Hupka.

Vielleicht steckt ja die Kanzlerin dahinter. Angela Merkel – nach Anschein und Auftreten ein rationaler Mensch, manchen zu rational – könnte 2018 ins Grübeln gekommen sein. Es war ihr dreizehntes Jahr im Amt, und ausgerechnet dieses wurde, wie wir hier nicht mehr groß ausführen müssen, ihr rabenschwärzestes: Brinkhaus, Seehofer, Maaßen, Merz. Und dauernd dieser Trump. Eine einzige Pech- und Peinlichkeitssträhne, bei der im Amtsjahr Nummer 13 selbst eine Naturwissenschaftlerin abergläubisch werden könnte. Aber abergläubisch ist man selbst ja nie, das sind immer nur die anderen – sagt Merkels Minister für Arbeit und Soziales. Als solcher will Hubertus Heil – acht- und einfühlsam, wie Sozialdemokraten sind – darauf verzichten, die Bürger mit einem Sozialgesetzbuch Nummer 13 zu verstören. Obwohl nach den Sozialgesetzbüchern 1 bis 12 jetzt diese Nummer dran wäre, um darin das neue Entschädigungsrecht für Gewaltopfer zu regeln. Stattdessen geschieht das nun in einem neuen Sozialgesetzbuch Nummer 14.

Die unaussprechliche Nummer davor – Obacht, Archivare – fällt aus. "Es ist eine Frage von Sensibilität", sagt Heil. Das Phänomen, auf das er anspielt, heißt Triskaidekaphobie – eine abergläubische Angst vor der Zahl 13. Der eine hat sie, der andere nicht. Marco Terrazzino hat sie nicht. Der kickt fröhlich mit Nummer 13 für den Sport-Club, so fröhlich wie Thomas Müller (13) für die DFB-Elf. Aber der hat auch schon länger nicht mehr getroffen. Der Minister argumentiert, auch die Bahn habe keinen Sitz 13, im Flugzeug gebe es ebenfalls keine 13. Reihe. Jim Knopfs Wilde 13, weiß jedes Kind, wurden erst friedlich, als sie nur noch 12 waren. Womöglich aber geht auch der coole Hubertus auf Nummer sicher. Laut Bundestagshandbuch amtiert er nicht seit dem 13., sondern erst seit dem 14. März 2018. Und laut Geschäftsordnung ist er im Kabinett die Nummer 11 in der Vertretungsreihenfolge der Kanzlerin. Wer ist Nummer 13? Andreas Scheuer, Verkehrs- und Dieselminister. Verdient hat er’s.